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Halbesel
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Hirsch

HirschWissenschaftliche Bezeichnung:
Cervidae

Natürliche Verbreitung:
globale Vorkommen

Kennzeichnend für die Hirsche ist die Bildung von Geweihen. Nur zwei heute lebende Arten dieser Familie entwickeln keine Stirnwaffen: Moschustier und Wasserreh. Nur beim Rentier tragen beide Geschlechter ein Geweih, bei allen anderen Geweihträgern ist die Stirnwaffe in der Regel auf männliche Tiere beschränkt.

Geweihentwicklung Das Geweih bildet sich aus den »Rosenstöcken«, das sind paarige Knochenzapfen auf den Stirnbeinen. Aus jedem Rosenstock wächst eine Geweihstange. Das wachsende Geweih ist von Bast umgeben. Der Bast ist eine samtartig behaarte, stark durchblutete und berührungsempfindliche Haut, die das wachsende Geweih ernährt und schützt. Nachdem das Geweihwachstum beendet ist, wird die Blutzufuhr unterbrochen. Der dadurch austrocknende Bast wird durch Reiben und Schlagen an Büschen und Bäumen »gefegt«, bis die knöcherne Geweihstange kahl ist. Das gefegte Geweih hat eine Oberfläche mit Rinnen und knopfartigen Erhebungen, die sogenannte »Perlung«. Am Grunde der Geweihstange vereinigen sich die Auswüchse zu einem Kragen, der als »Rose« bezeichnet wird. Am Erstlingsgeweih fehlt die Rose.

Durch die Bildung von Hohlräumen unterhalb der Rose kommt es schließlich zum ungefähr gleichzeitigen Abwurf der beiden Geweihstangen. Die durch den Verlust der Stangen freigelegte knöcherne Fläche der Rosenstöcke wird alsbald von den Rändern aus durch die sich neu bildende Basthaut überwallt. Damit beginnt das Wachstum des neuen Geweihs. Im Normalfalle kommt es einmal im Jahr zum Geweihwechsel.

Für den Aufbau des Geweihs benötigen Hirsche eine beträchtliche Menge Kalksubstanz. Die Größe des Geweihs ist abhängig von dem Mineralstoffangebot im Wohnareal eines Hirsches. Kalkreserven im Körper, insbesondere im Skelett, ermöglichen den Aufbau des Geweihs innerhalb weniger Monate. In mineralstoffarmen Gegenden verzehren Hirsche die frisch abgeworfenen Geweihstangen.

Vielfalt der Geweihformen Im Laufe seines Lebens schiebt ein Hirsch alljährlich ein neues Geweih. Von Jahr zu Jahr nimmt das Geweih an Masse und eventuell an Endenzahl zu. Nachdem ein Höhepunkt der Entwicklung erreicht worden ist, nehmen Endenzahl und Masse wieder ab, der Hirsch »setzt zurück«. Ein kapitaler Hirsch hat den Höhepunkt seiner Geweihentwicklung erreicht. Beim Rothirsch tritt dieser Gipfelpunkt mit dem 10.-12. Lebensjahr ein.

Das einfachste Geweih ist ein Spieß. Diese Entwicklungsstufe wird nicht überschritten bei den südamerikanischen Pudus (Zwerghirsche) und Mazamas (Spießhirsche).

Die nächste Entwicklungsstufe bildet eine einfache Gabel. Dieses Stadium erreichen die asiatischen Muntjakhirsche und die Andenhirsche.

Eine Fortsetzung der Vergabelung führt zum Sechsendergeweih. Beispiele für diese Entwicklungsstufe sind Reh, Axishirsch und Schweinshirsch.

Die wiederholte gabelige Verzweigung führt zu vielendigen Geweihen. Dabei kann es zu etwa gleichmäßig starker Ausbildung der Gabelenden kommen, wie beim südamerikanischen Sumpfhirsch oder dem ausgestorbenen Schomburgkhirsch Südostasiens.

In den meisten Fällen sind die Gabelenden ungleichmäßig stark entwickelt. Die Sprossen können hauptsächlich nach vorne (Rothirsch, Elch) oder nach hinten (Davidshirsch, Virginiahirsch, Damhirsch) gerichtet sein. Die Ebene der Vergabelung und die Biegung der Geweihstangen sind variabel. Bei Elch und Damhirsch kommt es zu einer schaufelartigen Verbreiterung der Sprossen.

Zweck der Geweihe Die Geweihe spielen eine wichtige Rolle bei Rivalenkämpfen. Durch die Sprossenbildung wird erreicht, daß die Geweihe sich bei Kämpfen ineinander verfangen und Verletzungen dadurch weitgehend vermieden werden. Die Brunftkämpfe sind Ausscheidungsduelle, bei denen es hauptsächlich auf Kraft und Geschicklichkeit ankommt.

Die Geweihstangen haben eine geschwungene Form, die den Druck des Gegners auf den tiefsten und bruchsichersten Punkt der Vergabelung ableitet.

Hormonale Einflüsse auf das Geweihwachstum Das Geweih der Hirsche (mit Ausnahme des Rens) entwickelt sich unter dem Einfluß des in den Hoden produzierten männlichen Sexualhormons Testosteron. In der Jugend kastrierte Hirsche bilden kein Geweih. Erfolgt die Kastration während des Geweihwachstums, kommt es zur Bildung eines Perückengeweihs, eines abnorm gewachsenen, von Bast überzogenen Dauergeweihs. Solche Mißbildungen wurden von Rehböcken bekannt, bei denen die Hoden durch Schrot verletzt worden waren.

Die Geweihbildung wird außer vom Testosteron auch von übergeordneten Hormonen des Hypophysenvorderlappens und dem Thyroxin der Schilddrüse beeinflußt. Diese Hormone steuern in Wechselwirkung das Wachstum, Wachstumsstillstand, Eintrocknen des Bastes und Abwerfen des Geweihs. Gleichzeitig erfolgt die Stimulierung der Samenbildung im Hoden, deren Höhepunkt mit der Verkalkung der Geweihstangen nach dem Fegen des Bastes (Abwetzen der Knochenhaut) zusammenfällt.

Gebiß Das Gebiß der Hirsche weist im Oberkiefer jederseits einen Eckzahn auf. Bei Moschustier, Wasserreh und Muntjak sind die Oberkieferzähne so groß, daß sie wie Hauer aus dem Maul herausragen. Bei anderen Hirschen sind diese Zähne kleiner. Diese »Grandeln« sind bei den Jägern als Schmuck oder Trophäen beliebt. Die oberen Eckzähne können auch fehlen.

Haarkleid Nur beim Ren ist im Fell Unterwolle entwickelt. Die Decke der anderen Hirscharten wird daher nicht zu Pelzwerk verarbeitet. Der Haarwechsel findet, außer bei tropischen Arten, im Frühjahr und Herbst statt. Sommer- und Winterfell unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Länge und Dichte, sondern auch in Färbung und Zeichnung. Zahlreiche Hirscharten haben einen Spiegel, eine durch helle Färbung und eventuell dunkle Umrahmung hervorgehobene Partie im Bereich der Schwanzwurzel. Hirsche weisen oft in der Jugend, im Sommerkleid oder ganzjährig eine Fleckenzeichnung auf. Die Fleckung der Hirsche gilt als ursprüngliches Merkmal, das im Laufe der Stammesentwicklung zurückgebildet wurde.

Drüsen Hirsche besitzen an Vorder- und Hinterbeinen Zwischenklauendrüsen. Außerdem kommen Drüsen an der Rückseite des Hinterlaufes der meisten Arten vor. Bis auf das Moschustier haben alle Hirsche auch eine Voraugendrüse. Allen Hirschen fehlt eine Gallenblase, nur das Moschustier macht hierin eine Ausnahme.

Nutzung durch den Menschen Hirsche sind eine begehrte Jagdbeute. Sie liefern einerseits wirkungsvolle Trophäen (Geweih, Grandeln), andererseits werden Fleisch, Fell, Leder und die Geweihsubstanz (Knöpfe) verwertet. Elche und eine in Mexiko lebende Rasse des Weißwedelhirsches wurden in begrenztem Umfang als Haustiere verwendet. Den Damhirsch versucht man als Fleischlieferanten zu halten.

Im nördlichen Asien werden Hirsche zur Pantengewinnung in Farmen gehalten. Panten ist das getrocknete und pulverisierte Bastgeweih. Die Geweihstangen werden dem lebenden Hirsch abgesägt, solange sie noch von einer durchbluteten Basthaut überzogen sind. Das wachsende Geweih ist besonders reich an Sexualhormonen. Auf diese kommt es bei der Pantengewinnung an. Die Pantenjagd hat zur Ausrottung des Dybowskihirsches in freier Wildbahn geführt. Auch bei uns steht das »Hirschhornsalz«, heute nur noch eine volkstümliche Bezeichnung für Ammoniumcarbonat, zu Unrecht im Ruf eines Aphrodisiakums - vielleicht eine Erinnerung an eine frühere Panten-Gewinnung auch in Europa.

Systematik Da die einzelnen Unterfamilien nur wissenschaftliche Bedeutung haben, sind die zugehörigen Hirsche, die eigene Artikel haben, hier einzeln aufgeführt:

1. Unterfamilie Moschushirsche (Moschinae) Moschustier;

2. Unterfamilie Muntjakhirsche (Muntiacinae);

3. Unterfamilie Echthirsche (Cervinae) Damhirsche, Axishirsch, Schweinshirsch, Sambarhirsche, Barasingha, Leierhirsch, Sikahirsch, Rothirsch sowie Davidshirsch;

4. Unterfamilie Wasserhirsche (Hydropotinae) Wasserreh;

5. Unterfamilie Trughirsche (Odocoileinae) Reh, Weiß- und Schwarzwedelhirsch, Sumpfhirsch, Pampashirsch, Andenhirsche, Spießhirsche sowie Pudus;

6. Unterfamilie Elchhirsche (Alcinae) Elch;

7. Unterfamilie Renhirsche (Rangiferinae) Rentier.

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