Die Schwalben sind in 76 Arten weltweit verbreitet und fehlen nur in den arktischen Gebieten, auf Neuseeland und auf einigen ozeanischen Inseln. Als typische Insektenfresser verhalten sie sich in den Gebieten mit starken Klimaschwankungen als Zugvögel; dennoch können sie kürzere Kälteperioden von der körperlichen Konstitution her gut überstehen. Sie treten den Zug in die Brutgebiete erst dann an, wenn sich das mildere Klima durchgesetzt hat und das Nahrungsangebot gesichert ist. Bevor die eigentlichen Schwärme eintreffen, sind schon vereinzelte Vögel zu beobachten; hierfür gilt das Sprichwort: »Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer«.
Gerade im europäischen Verbreitungsgebiet haben sich hier brütende Schwalben eng den Siedlungsräumen angeschlossen, so daß ihre Verhaltensweisen in starkem Maße Eingang in die menschliche Gedankenwelt gefunden haben (Rauchschwalbe).
Oft werden Schwalben mit den Seglern verwechselt, die aber eine eigene Ordnung bilden. Beide Gruppen sind ausgezeichnete Flieger, unterscheiden sich aber u. a. durch die kürzeren und breiteren Flügel der Schwalben. Während die Segler nur selten ausruhen, wechselt bei den Schwalben regelmäßig eine Ruhephase mit einer Flugphase ab. Dann sitzen sie z. B. auf Telefondrähten, ausladenden Stangen oder Ästen.
In Europa sind die Mehlschwalbe, die Rauchschwalbe und die Uferschwalbe wohlbekannt, die auch hier brüten. Die Rötelschwalbe (Cecropis daurica) und die Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) brüten nur noch im äußersten Süden.
Nistgewohnheiten Allgemein hat sich die Auffassung durchgesetzt, daß die Maskenschwalben (Gattung Phedina) - mit einer Art (Ph. borbonica) auf den Maskarenen und Madagaskar, einer zweiten (Ph. brazzae) im Kongogebiet vertreten - wohl zu den ursprünglichsten Schwalben gehören. Während die kongolesische Art in ihren selbstgegrabenen Tunneln auf Sandbänken nistet, baut die zweite Maskenschwalbe ihr Nest aus Reisig und Gräsern auf Vorsprüngen von Erd- und Felshängen. Man hat versucht, in den Nistgewohnheiten eine Entwicklungslinie zu sehen. Ausgehend von dem offenen Reisignest, bezogen die Schwalben vorhandene Erd- oder Baumhöhlen, in denen nur die Nistkammer mit Grashalmen ausgepolstert wird. Diese Arten sind überwiegend in der Neuen Welt vertreten, unter ihnen die Baumschwalbe (Trachycineta bicolor) oder die Purpurschwalbe (Progne subis), die sich inzwischen längst dem Menschen angeschlossen haben. Vielleicht lernten die Vögel dann erst, ihre Höhlen selbst zu graben, zumindest in der Neuen Welt. Die Erdhöhlenbrüter finden wir heute auf allen Erdteilen, unter ihnen die Uferschwalbe.
Eine zweite Entwicklungstendenz brachten die »Töpferschwalben« hervor, die ihre mit Schlamm und Speichel verfestigten Nester in Felshöhlen, an die Felswände oder nach Kultivierung der Landschaften an Gebäude kleben. In diese Gruppe gehören z. B. die Amerikanische Klippenschwalbe (Petrochelidon pyrrhonota), die Australische Baumschwalbe (P. nigricans) und die artenreichste Schwalbengattung, Hirundo, zu der auch unsere weltweit verbreitete Rauchschwalbe (Hirundo rustica) gehört.