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Taube

TaubeWissenschaftliche Bezeichnung:
Columbidae

Natürliche Verbreitung:
globale Vorkommen

Die Familie Tauben ist mit etwa 300 Arten weltweit verbreitet und fehlt nur in der Polarregion, auf den australischen Inseln, auf Island und in den nördlichen Regionen Kanadas, Skandinaviens und Sibiriens. Vorzugsweise werden, zumindest für einen Teil ihres Lebens, Waldgebiete besiedelt (Ausnahme: Felsentaube, Columba livia).

Gestalt Von der allgemeinen Vorstellung, die wir von der Gestalt einer Taube haben, weichen nur wenige Vertreter ab. Hier wäre die Zahntaube (Didunculus strigirostris) der Samoa-Inseln mit ihrem gewaltigen, stark gebogenen Schnabel, der mehrere Einkerbungen aufweist, zu erwähnen. Oder die Krontauben (Gattung Goura) aus Melanesien, die nicht nur ungewöhnlich groß sind (76 cm Körperlänge), sondern auch durch die aufrechtstehenden Kopffedern auffallen, die einen filigranartigen Fächer bilden. Beide Gruppen wurden, auch wegen weiterer Merkmale, von den Systematikern ohnehin in eigene Unterfamilien abgegliedert.

Alle anderen Arten bilden nur 2 weitere Unterfamilien, die Fruchttauben und die eigentlichen Tauben. Fast ausnahmslos erkennt man auf den ersten Blick ihre Familienzugehörigkeit, unabhängig davon, ob es sich um das kleine Diamanttäubchen (15-20 cm Körperlänge) oder eine der vielen »Stadttauben« handelt, die wie die Haustaube auf die Stammform der Felsentaube zurückgehen. Dabei ist das Gefieder der Tauben sehr verschieden gefärbt; es kann eintönig sein oder, wie im Falle der Fruchttauben, lebhafte Farben aufweisen. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich nur wenig. Typisch ist in jedem Fall der gegenüber dem Körper sehr kleine Kopf mit dem an der Basis verdickten Schnabel, der an der Spitze zu einem kleinen Haken gekrümmt ist und eine nackte Wachshaut trägt. Die Flügel sind stark abgerundet und befähigen die Tiere im allgemeinen zu einem schnellen Flug.

Ernährung Die Taubenvögel besitzen als Körnerfresser einen stark entwickelten Kropf. Hier wird die Nahrung gespeichert und später bei den meisten Arten von dem muskulösen Magen zerkleinert. Nur der Magen der Mähnentaube (Coloenas nicobarica) ist wie bei den Hühnern durch zusätzliche Reibplatten verstärkt, damit auch besonders harte Körner aufgeschlossen werden können. Sie gleicht auch äußerlich - als Ausnahme - eher einem Hühnervogel. Die fruchtfressenden Arten (Fruchttauben) können auf starke Muskelmägen verzichten. Manche Körnerfresser ergänzen ihre Ernährung durch Insekten und andere kleine Wirbellose, die unzerkaut geschluckt werden.

Tauben müssen regelmäßig Wasser aufnehmen. Ihre Art zu trinken ist dabei recht ungewöhnlich, denn sie heben beim Schlucken nicht - wie andere Vögel - den Kopf, sondern saugen das Wasser unter pumpenden Bewegungen mit eingetauchtem Schnabel auf.

Kropfmilch Die Jungen werden während der ersten Lebenstage mit der Kropfmilch ernährt. Die Schleimhaut im Kropf beider Altvögel sondert hierfür ganze Drüsenzellen ab, die in den Kropftaschen zerfallen und einen halbfesten Brei bilden, den sich die Jungen aus dem Schlund herausholen müssen. Nach einigen Tagen werden dieser Nahrung Körner beigemischt.

Fortpflanzung Nach einer ausgiebigen Balz mit gegenseitigen Verbeugungen und »Gurren« bauen die Tauben ihr Reisignest in Bäume, wie z. B. die Ringeltaube oder die Turteltaube, oder in eine natürliche oder künstliche Höhlung; einige australische Arten nisten auch auf dem Boden. Das Gelege besteht meist aus 2 Eiern, seltener nur aus einem einzigen. Die Brutzeit und vor allem die Nestlingszeit der fast nackt schlüpfenden Jungen wird von der Körpergröße der Art bestimmt. Die kleinen Diamanttäubchen verweilen nur 11-12 Tage im Nest, während die großen Krontauben erst in 32-35 Tagen selbständig sind. Wie auch schon den Nestbau teilen sich beide Geschlechtspartner die Bebrütung der Eier und die Aufzucht der Jungvögel. Tauben leben in Einehe.

Wanderungen Nur wenige Arten, die vorwiegend in gemäßigten Zonen in Europa, Asien und Amerika leben, zeigen ein ausgesprochenes Zugvogelverhalten. Hierzu zählt in Europa z. B. die Turteltaube, die in Afrika noch südlich der Sahara überwintert, während die Ringeltaube aus Skandinavien und Osteuropa nur an den südlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes (Frankreich, Spanien) zieht. Entsprechende Wanderungen sind für die nördlichen Populationen der Amerikanischen Turteltaube oder Trauertaube (Cenaidura macroura) und der Orientalischen Turteltaube (Streptopelia orientalis) bekannt.

Arten Neben der Turteltaube (Streptopelia turtur) und der allgemein bekannten Türkentaube (St. decaocto) zählen die europäischen Arten zur Gattung Feldtauben (Columba), die auf allen Erdteilen vertreten ist. Die Ringeltaube (Columba palumbus; 41 cm Körperlänge) ist der größte Vertreter des europäischen Verbreitungsgebietes. Gegenüber den Haustauben und der kleineren Hohltaube (C. oenas; 33 cm Körperlänge) ist sie auch aus großer Entfernung am viel längeren Schwanz zu unterscheiden. Andere Arten sind z. T. in ihrem Vorkommen auf einzelne Inseln beschränkt. Die Weißkopftaube (C. leucocephala; 30-33 cm Körperlänge) aus dem karibischen Raum übernachtet als einzige Art weit entfernt von ihren Futterbäumen auf kleinen Trockenplätzen in den flachen Meeresbuchten (»Meerestauben«).

Zahlreiche Gattungen stehen den Turteltauben (Gattung Streptopelia) sehr nahe. Hierzu gehören auch beliebte Käfigvögel, z. B. das australische Diamanttäubchen (Geopelia cuneata) oder das Sperbertäubchen (G. striata). Andere kleine Formen werden als »Amerikanische Zwergtauben« zusammengefaßt (z. B. Inkatäubchen, Scardafella inca; 20 cm Körperlänge).

Besonders der südöstliche Teil der Alten Welt beherbergt die meisten Arten. Die bekannteste Taube aus dem Verbreitungsraum um Indonesien, Melanesien und Ozeanien ist die Dolchstichtaube (Gallicolumba luzonica; 30 cm Körperlänge), die ihren Namen wegen des leuchtendroten Flecks auf der sonst weißen Brust bekommen hat. Im gleichen Gebiet und in Australien leben die Glanztauben (Gattung Chalcophaps), die irisierende Flügelfedern haben.

Die Grüntauben (Gattung Treron) aus Südostasien, Melanesien, Indonesien und Afrika haben ein typisch grünes Gefieder mit gelben, schwarzen oder orangeroten Zeichnungen. Sie leben von Früchten und sind Baumbewohner. Auch die Papageitauben (Gattung Sphenurus) tragen als Hauptfarbe ein grünes Gefieder. Man hat sie deshalb lange Zeit als Verwandte der Grüntauben betrachtet, ebenso wie die wohl prächtigsten Tauben überhaupt, die Flaumfußtauben (Gattung Ptilinopus).

Gefährdung Manche Arten zählen wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches heute noch zum jagdbaren Wild. Dem grenzenlosen Abschuß wurde aber durch gesetzliche Auflagen in vielen Ländern Einhalt geboten (z. B. Schonzeit der Ringeltaube in Deutschland oder der Trauertaube, Zenaidura macroura, in Amerika). Die Hohltaube steht bei uns auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten.

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