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Hering

HeringWissenschaftliche Bezeichnung:
Clupea harengus

Natürliche Verbreitung:
Nordatlantik

Der Atlantische Hering war jahrhundertelang der wichtigste Energielieferant des Menschen aus dem Meer. Um dieses Volksnahrungsmittel hat es kriegerische und diplomatische Auseinandersetzungen gegeben.

Lebensweise Der Hering ist ein ausgesprochener Schwarmfisch, der sich von Kleinkrebsen (Plankton), Schwimmschnecken, Fischlaich und -larven sowie von kleinen Fischen ernährt. Heringsschwärme unternehmen jahreszeitlich bedingte Wanderungen zwischen ihren festen Laichplätzen und den Hauptaufenthaltsgebieten, die sich nach dem Nahrungsangebot richten. Die Kenntnis der Wanderwege und der jeweiligen Jahreszeiten ist für günstige Fänge der Fischereiflotten von ausschlaggebender Bedeutung.

Unterteilung in Gruppen Innerhalb des großen Verbreitungsgebietes im gesamten Nordatlantik ist die Heringsbevölkerung nicht einheitlich, sondern unterteilt sich in verschiedene Gruppen, die sich nicht nur nach ihren Lebensräumen, sondern auch durch unterschiedliche Laichgewohnheiten und Laichzeiten sowie durch voneinander abweichende Wirbelzahlen unterscheiden.

Jugendentwicklung Je nach der Heringsgruppe schwankt die Eizahl: Die Winter-Frühjahrs-Laicher produzieren bis 40 000 Eier, die Sommer-Herbst-Laicher bis zu 70 000, die auf den Boden sinken und oft in mehreren Schichten übereinander unvorstellbar große Ansammlungen bilden. Die 6-8 mm langen, durchsichtigen Larven steigen an die Oberfläche und werden durch Strömungen fortgetragen. Im Alter von etwa 6 Monaten wandern die Larven des Schelfherings in die Küstengebiete ein. In diesem Alter machen sie die Verwandlung zum Jungfischchen durch und haben jetzt eine Länge von 3,1-4,4 cm bei den Frühjahrslaichern und eine Länge von 4,4-6,0 cm bei den Herbstlaichern.

Wachstum, Alter Im Alter von einem Jahr ist der Hering etwa 9 cm lang, am Ende des zweiten Lebensjahres 16-18 cm und im dritten 21-23 cm (Schelfhering der Nordsee). Danach beträgt das Längenwachstum nur noch etwa 1 cm pro Jahr. Selten erreichen Heringe eine Länge von über 40 cm. Geschlechtsreif werden die Heringe frühestens im dritten, meistens aber erst im 4.-9. Lebensjahr, wobei die Tiere im südlichen Bereich eher, die im nördlichen später die Laichreife erlangen. Die Lebenserwartung beträgt bei den südlichen Heringen 12-16 Jahre, bei den nördlichen aber 23-25 Jahre.

Feinde Der Hering ist einer der bevorzugten Beutefische für zahlreiche Tierarten. Schon die in Schichten übereinanderliegenden Eier werden in großer Zahl von Dorschartigen, Plattfischen, Stachelhäutern und Muscheln gefressen. Den Larven ergeht es nicht besser: Sie sind insbesondere für Quallen, Pfeilwürmer und Fische eine begehrte Beute. Die jungen und erwachsenen Heringe werden von größeren Fischen (Makrelen, Thunfische, Dorschartige, Lachse, Herings-, Dorn- und Grönlandhai), zahlreichen Seevögeln (Möwen, Lummen, Taucher, Baßtölpel) und Meeressäugern (Hundsrobben, Delphine u. a. Walarten) gejagt.

Wirtschaftliche Bedeutung Der Hering ist einer der wichtigsten Fische für die Meeresfischerei. Kein anderer Fisch hat eine derart vielseitige Verwendung gefunden, sei es geräuchert als Bückling, gesalzen als Matjes oder eingelegt als Rollmops oder Bismarckhering. 1985 betrug der Fangertrag weltweit noch 1,4 Millionen Tonnen, doch sind die Erträge rückläufig. Ständig verbesserte Ortungs- und Fangtechniken (Ortung durch Ultraschall-Echolot, ja sogar durch Erdsatelliten!), ausschließlich wirtschaftliche Gesichtspunkte und Konkurrenzdenken der Heringsfangnationen haben zu einem Raubbau unvorstellbaren Ausmaßes an den Beständen des ostatlantischen Herings geführt. Am meisten trägt die »Gammelfischerei« zur endgültigen Ausrottung der letzten Heringsbestände bei, d. h. das Fangen auch der kleinen und kleinsten, noch nicht geschlechtsreifen Tiere für die Fischmehlfabriken. Damit wird die Regeneration der Heringspopulationen verhindert, und es ist eine Frage von wenigen Jahren, daß der kommerzielle Heringsfang aus »Mangel an Masse« eingestellt werden muß.


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