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Kardinalbarsch
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Killifisch

KillifischWissenschaftliche Bezeichnung:
Aphyosemion gardneri

Natürliche Verbreitung:
Gabun

Schon zu einer Zeit als noch kein Mensch an eine Liebhabergemeinschaft mit Namen DKG dachte, ich wage sogar zu behaupten, daß nur ein Bruchteil der heutigen DKG-Mitglieder schon Aquarianer war, wurde Aphyosemion gardneri erstmalig beschrieben. Man schrieb das Jahr 1911 als BOULENGER con einem Captain Namens R.D. GARDNER drei Fische bekam, welche er als Fundulus gardneri beschrieb.

Die Tiere wurden con Capt. GARDNER in Okwoga, am Hauptlauf des Cross River in Ost-Nigeria gefangen. Etwas später - jedoch ebenfalls im Jahre 1911 - beschrieb BOULENGER eine Art aus dem Cross River-Gebiet, welche in der Gegend von Udi gefangen wurde, als Haplochilus brucei . 1915 jedoch ordnete er die Art Haplochilus brucei der etwas früher beschriebenen Art Fundulus gardneri zu. In BOULENGER's Originalbeschreibung des H. brucei heißt es u.a. Haplochilus brucei hat 30-34 Schuppen in der mittleren Längsreihe. Bei Gardneri dagegen werden von BOULENGER 32 Schuppen in der mittleren Längsreihe angegeben.

Doch nun zurück zu dem eigentlichen Gardneri , welcher zu damaliger Zeit als ein kleine Sensation in der Aquaristik gewertet wurde. 1913 und 1914 wurde ein Fisch unter der Bezeichnung Haplochilus calliurus australis erstmalig nach Deutschland importiert. Diese Fische stammten aus Gabun, genauer gesagt vom dortigen Cap Lopez. Man wußte nicht genau wie er hieß und benannte ihn einfach nach seinem Fundort "Cap Lopez". 1921 wurde er dann von RACHOW als Haplochilus calliurus australis beschrieben. Auch unser Gardneri profitierte von der "Liebhaber-Namensgebung" indem er fortan schlicht als "blauer Cap Lopez" bezeichnet wurde. So abwegig war jedoch diese Namensgebung für die damalige Zeit nicht, denn den Liebhabern von damals fehlten die Kenntnisse in der Haltung von Killifischen welche wir haben und heute bereits als selbstverständlich empfinden. So entstanden in Unkenntnis der Dinge oftmals Kreuzungen. Trotzdem hatte man jedoch eine gewisse Eigenheit unserer Killifische schon damals erkannt - vielleicht unbewußt - sie ließen sich unschwer miteinander kreuzen. Unterstützt wurde die damalige Unkenntnis noch durch eine gewisse äußerliche Gleichheit der Weibchen und die naturbedingte enorme Aktivität der Männchen. Alle diese Faktoren müssen berücksichtigt werden will man den eigentlichen Lebenslauf des Gardneri von seiner Entdeckung bis heute aufbauen und rekonstruieren.

Gehen wir wieder zurück in das Jahr 1911. Nicht nur im Hauptlauf des Cross River wurden Gardneri entdeckt. Aufgrund der allgemeinen Begeisterung, welche der Fisch in Europa durch seine Farbenpracht auslöste, wurde eiter nach ihm gesucht. Es war von vorne herein klar, daß man mit dem Vorkommen im Cross River Gebiet den Bedarf aud die Dauer nicht decken konnte. Es wurden also im Laufe der kommenden Jahre Fische gesucht und auch gefunden. Nun mußte man damals jedoch staunen. Nicht nur im Gebiet des Cross River, sondern weit davon entfernt, in der Gegend von Agwarba und Awka, ja sogar im Niger-Delta fanden sich Gardneri . In Old Calabar fand sich sogar ein Tier einer halbgrünen Form. Zu dieser Zeit hatte man auch schon die ersten Schwierigkeiten in der Nomenklatur des Gardneri . Diese grüne Form fand alsbald Verbreitung als species Funulus arnoldi. In anderen Quellen wurde Gardneri sogar als Haplochilus arnoldi oder als Aphyosemion nigerianum beschrieben. Dies Namensgebung kann man - bezogen auf den damaligen Stand der Kenntnisse - nicht unbedingt als falsch bezeichnen. Den ersten wirklich gravierenden Fehler machte RACHOW 1920, als er Tiere, welche 1908 aus dem Niger-Delta kamen und in den Becken der Liebhaber auch nachgezüchtet wurden, als zur Bivittatum-Gruppe gehörig beschrieb. Vermutlich standen ihm jedoch nur einige Tiere x-ten Aquariengeneration zur Verfügung. Das Dilemma solle jedoch nicht so schnell enden. Man stritt sich darüber, welcher Fisch jetzt tatsächlich zu Gardneri gehörte und welchen man zu Arnoldi zurodnen solle. Dieses Durcheinander der Species und Subspecies begann als BOULENGER mit der Identifizierung von Aquarienfischen nach präpariertem Material anfing. ARNOLD sagte 1925, daß er - bevor BOULENGER begann - in einem dieser präparierten Fische bereits Gardneri erkannt habe, er galube jedoch eher an eine Subspecies der Arnoldi . ARNOLD stand damals der sogenannte "Stahlblaue Fundulus" zur Verfügung, welcher jedoch zu Filamentosum zu rechnen ist. Später, d.h. in den Jahren 1930-1931 untersuchte MEINKEN diese Tiere, welche unter dem Namen "Stahlblauer Prachtfundulus" im Handel waren. Er erkannte, daß diese Tiere, welche von DIETERICH (1915) und KRÜGER (1913) unter dem obigen Namen auf den Markt gebracht wurden, zu Gardneri zu zählen sind. Inwieweit da nun die blaue Form des Filamentosum mit beteiligt ist, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Fest steht jedoch, daß diese Form des Gardneri damals unter der Bezeichnung "Fundulus aud Togo" oder "Fundulus arnoldi var. blau" verbreitet waren.

Schon zu damaliger Zeit mußten sich die Aquarianer mit einer Vielfalt von Namen für ein und diesselbe Fischart herumschlagen. Die Erkenntnisse der letzten 20 Jahre brachten jedoch wichtige Neuerungen und zeigten deutlich, daß gerade Gardneri unter den Killifischen wohl die Stellung der Art mit der größten Variationsbreite einnimmt. Diese Erkenntnis bringt aber leider alles andere als Ordnung. Selbst dann, wenn man diese Ordnung nur auf diese Gruppe beschränkt, wird das herrschende Durcheinander nicht kleiner, sondern sogar noch größer. 1963 wurden von SCHEEL die Arten Arnoldi , Filamentosum , Gardneri , Spurelli und Walkeri als zu einer großen Gruppe von Killifischen gehörend bezeichnet. In dieser Gruppe befinden sich laut SCHEEL wiederum zwei Untergruppen. Die erste Untergruppe umfaßt Arnoldi und Filamentosum , während die zweite alle übrigen Species enthält. Dieses begründet SCHEEL durch seine Untersuchungen der verschiedenen Formen dieser beiden Gruppen. Er entdeckt z.B. bei Arnoldi und Filamentosum bei 68 untersuchten Individuen 24-28 Schuppen in der mittleren Längsreihe. Die übrigen 249 untersuchten Exemplare, welche zu der zweiten Gruppe gehörten, wiesen dagegen 29-34 Schuppen in der mittleren Längsreihe auf. Außerdem zeigten sich beim Untersuchen der Flossenstrahlen ebenfalls Gemeinsamkeiten innerhalb jeder der beiden Gruppen.

Es ist in diesem Zusammenhang zu bemerken, daß gerade in den 50er Jahren in den Becken der Liebhaber zwei besonders auffällige Gardneri-Varianten gepflegt und vermehrt wurden. Die erste Form zeigte vorherrschende Blautöne. Die Flanken der Tiere waren mit dunkelroten Punkten übersät, welche von vorne nach hinten gesehen kleiner wurden. Alle senkrechten Flossen dieser Variante zeigten eine dunkelrote Binde und einen auffälligen bläulich-weißen Saum. Diese Form wurde zu damaliger Zeit als Aphyosemion calliurum bezeichnet. Derselbe Fisch, aber mit leuchtend schwefelgelben Säumen der senkrechten Flossen, wurde jedoch als Aphyosemon calliurum ahli in Umlauf gebracht. Hatte man nun die eine oder die andere Art in seinen Becken und züchtete mit ihr, so erhielt man unweigerlich beide Arten von Männchen innerhlat einer Zucht. Die weiblichen Tiere waren nicht zu unterscheiden. Es besteht gerade bei diesem Beispiel kaum ein Zweifel, daß irgendwann einmal zwei Gardneri-Fromen erfolgreich miteinander gekreuzt wurden. Diese Art Gardneri ist jedoch im Laufe der Jahre fast völlig verschwunden. Ein ähnlicher Fisch kam etwa zu Beginn der 69er Jahre als Aphyosemion nigerianum in den Handel. Im Gegensatz zu der - ich möchte sie als calliurum - Form bezeichnen, schien er, was die gelben Flossensäume betraf, ziemlich reinerbig zu sein. Noch ein Phänomen gegenüber unseren heutigen Gardneri hatten diese Formen in ihrer Zucht. Sie wurden fast ausschließlich als Haftlaicher behandelt, wie auch der "Kap Lopez". Die Zeitigungsdauer des Laichs lag ungefähr bei 16 Tagen bei 20-22°C Wassertemperatur. Gezüchtet wurde prinzipiell in reinem Regenwasser und, wie es die Becken der Zoohändler zeigten, mit bestem Erfolg. Damals kostete ein Paar dieser Fische durchschnittlich höchstens 5,-- DM, ein Preis also, welcher nur für einen im Inland erzeugten Fisch in Frage kam. Diese kurze Zeitigungsdauer des Laiches liegt bei unseren heute gehaltenen Gardneri-Formen überhaupt nicht mehr drin, wenn der Züchter zu einigermaßen brauchbaren Resultaten kommen will.

Lassen wir dem Gardneri seine kleinen Geheimnisse ruhig. Warum soll er nur in seiner Färbung variabel sein. Steht es ihm nicht auch zu, uns Liebhabern in seinem Fortpflanzungsverhalten Rätsel aufzugeben? In der Zwischenzeit waren aber auch die Fänger und Importeure nicht untätig. Dank wesentlich verbesserter Flugverbindungen zum Schwarzen Kontinent kamen in den letzten zehn Jahren immer neuere und schönere Formen des Aphyosemion gardneri - wie er heute heißt - in die Becken der Liebhaber. So wurden 1961 von einem Herrn Ulf HANERZ im Wochoka-River, bei Port Hacourt in Ost-Nigeria einige besonders schöne Exemplare gefangen. Bei einem Vergleich mit den früher bei Akure gefangenen Tieren zeigte sich ein deutlicher Unterschied in den roten Punkten der Flanken, welche bei den Port Harcourt Tieren in wesentlich größerer Anzahl und kräftigerem rot vorhanden waren. Die blaue Grundfärbung der Akure-Gardneri war bei den Port Harcourt-Gardneri einem kräftigen Blaugrün gewichen. Die Ober- und Unterkante der Schwanzflosse zeigte leuchtend schwefelgelbe Säume, während die Rücken- und Afterflosse orangefarbene breite Säume zeigten. Doch damit nicht genug. Inzwischen hatte man in der Gegend von Eymojok in West-Kamerun eine sehr schöne, grünliche Variante der A. gardneri gefunden. Bei dieser Form sah man rote Punkte nur vereinzelt in der hinteren Körperhälfte. In der vorderen Körperhälfte waren diese roten Punkte so dicht zusammen, daß sie sich zu kurzen wagerechten Strichen vereinigten. Die Schwanzflosse dieser Tiere war himmelbalu an ihrem oberen und unteren Rand gesäumt. Der hintere Teil der Schwanzflosse war bordeauxrot.

Auch in letzter Zeit wurde ein Aphyosemion "burundi" verhältnismäßig oft im Handel angeboten. Viele glauben in diesem Fisch eine neue Variante des A. gardneri zu erkennen. Das mag bei oberflächlicher Betrachtung durchaus zutreffen. Sieht man jedoch genauer hin, so zeigt der sog. Burundi wesentliche Unterschiede zum A. gardneri. Ich habe diesen Burundi und verschiedene A. gardneri-Formen miteinander erfolgreich gekreuzt. Die Nachkommen dieser Tiere waren jedoch in allen Fällen steril. Bis heute steht noch nicht fest, ob dieser A. burundi, welcher nach seinem Fundort Burundi in Ostafrika benannt wurde, eine selbstständige Art oder zu Gardneri gezählt werden muß. Ebenso wurde in letzter Zeit ein Fisch als sogenannter "T1" eingeführt. Auch bei ihm ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, ob er zu Gardneri gehört.

Einzelne Gardneri-Typen haben noch eine für den Züchter sehr unangenehme Eigenschaft. Sie sind fast nicht zu vermehren. Ob diese Eigenart auf Kreuzungen der einzelnen Formen zurückzuführen ist, vermag ich hier nicht zu klären. Es mag zumindest bei einigen Formen zutreffen, jedoch nich bei allen. Es gibt sogar Formen des A. gardneri deren Nachkommen steril sind, wenn es Kreuzungsprodukte von zwei in der Herkunft verschiedener Gardneri Schläge sind. Das sollte zu denken geben und den ernsthaften Liebhaber zwar nicht von Kreuzungsversuchen abhalten, sondern in anregen, diese nicht als Gardneri, sodern als Hybriden in den Handel zu bringen. Er bewahrt andere Liebhaber vor unnötigen Anstrengungen.

Sie sehen also, daß Aphyosemion gardneri nicht nur einer der ganz alten Bekannten ist. Auch er wird uns noch manche harte Nuß zu knacken geben, besonders, da es gewiß ist, auch in nächster Zeit noch einige dieser "alten" neuen Bekannten in den Becken der Liebhaber zu einem Besuch zu empfangen. Gehen wir von der Größe der Tiere aus, so hatte ich in meinen Becken Zwergformen, welche nicht über 5 cm groß wurden, neben wahren "Goliaths" mit echten 12 cm. Alles waren einwandfreie Gardneri. Es gibt Gardneri, welche so friedlich wie ein Lamm sind und andere, die so agressiv sind, daß sie es mit dem Zeigefinger ihres Pflegers aufnehmen. Es gibt schlanke Tiere neben gedrungenen, stämmigen, welche vor Kraft nicht wissen wohin. Tiere in allen nur möglichen Blau- und Grünschattierungen, mit und ohne gelb. Mit vielen oder wenigen roten Punkten. Schaut man sich daneben die Weibchen an, so muß man feststellen, daß sie zwar nicht so bunt jedoch zumindest ebenso variabel sind wie die Herren Gardneri.

Ich glaube doch abschließend bemerken zu dürfen, daß wenn ein Aquarianer sich intensiv mit Gardneri beschäftigt, er kaum noch Langeweile kennt. Allein die Gardneri-Gruppe mit ihrer engeheuren Variationsbreite bietet genug Abwechslung und läßt eine Ausdehnung der Liebhaberei auf andere Arten fast vergessen.

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