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Murmeltier

MurmeltierWissenschaftliche Bezeichnung:
Marmota

Natürliche Verbreitung:
Nordhalbkugel

Murmeltiere sind gebirgs- und steppenbewohnende, gesellig lebende Erdhörnchen, die mit 13 Arten und Unterarten in Europa, Asien und Nordamerika beheimatet sind. Eine abweichende Lebensweise führt nur das nordamerikanische Waldmurmeltier, das als Einzelgänger Waldgebiete bevorzugt.

Gegenüber den nahe verwandten Präriehunden und den Zieseln werden Murmeltiere mit 31-57 cm Körperlänge und bis zu 7 kg Gewicht deutlich größer und schwerer. Sie erscheinen auch im Körperbau viel massiger und gedrungener, ein Eindruck, der durch den breiten, abgerundeten Kopf, die kurzen Beine und das dichte, rauhe Fell noch verstärkt wird.

Alpenmurmeltier (Marmota marmota) Dieses volkstümliche Alpentier war schon zur Römerzeit als »Mus alpinus« = »Alpenmaus« eine recht bekannte Tierart. Dem ausgelassenen Fett des Murmeltieres, dem »Mankeischmalz« oder »Murmelöl« wurde und wird eine heilbringende Wirkung bei Rheumaerkrankungen zugeschrieben. Leider hat dieser unsinnige Glaube in der Vergangenheit zu einer starken Verfolgung geführt. Heutzutage kennt meist nur noch der passionierte Alpenwanderer den warnenden Pfiff des Alpenmurmeltieres, auf den hin alle Artgenossen wie der Blitz in den Bau einfahren und der auch von den Gemsen als Warnlaut verstanden wird. In Deutschland wird das Alpenmurmeltier in der Roten Liste der Potentiell gefährdeten Arten geführt.

Verbreitung Das Alpenmurmeltier (auch Mankei, Murmele oder Marmotte) bewohnt ein stark zersplittertes Rückzugsgebiet in den Alpen und den Karpaten, wo es seit der letzten Eiszeit überdauert hat. Das größte zusammenhängende Vorkommen finden wir in den Westalpen. In Deutschland lebt es ursprünglich nur noch im Berchtesgadener Land und im Westallgäu; daneben sind kleinere Bestände im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und in der Schwäbischen Alb eingebürgert. Das Vorkommen in den Karpaten ist von den Alpenpopulationen völlig isoliert und auf die Hohe Tatra beschränkt. Außerhalb der Alpen wurden Alpenmurmeltiere auch in den Pyrenäen und auf dem Balkan ausgesetzt.

Lebensweise Alpenmurmeltiere bevorzugen sonnige Grashänge, Gebirgsmatten und Geröllfelder in Höhenlagen zwischen 800 und 3000 m. Dort finden wir die Tiere meist familienweise zu lockeren Kolonien vereint. Die ausgedehnten, verzweigten Erdbaue haben eine oder mehrere Hauptöffnungen und mitunter viele Nebenöffnungen; die Ausgänge werden verstopft. In der Regel führt ein schräg in den Berg getriebener, bis zu 10 m langer Hauptgang in einen geräumigen, grasgepolsterten Wohnkessel. Neben dem Hauptbau legen die Tiere häufig noch Nebenbaue und Notunterschlupfe in der Nähe an. Im Winter beziehen Alpenmurmeltiere manchmal auch weiter talwärts, d. h. geschützter, gelegene »Winterwohnungen«, die nur dem Überwintern dienen. Im Frühjahr kehren die Murmeltiere dann wieder zu ihren »Sommerwohnungen« zurück.

Winterschlaf Vor Beginn der 6monatigen Winterruhe wird der Eingang des Baues fest mit Erde, Steinen und abgebissenen Pflanzenteilen, dem sogenannten »Zapfen«, verstopft. Die Aktivität der Tiere nimmt mehr und mehr ab, und schließlich liegt die ganze Murmeltierfamilie (bis zu 15) im Kessel, eng aneinandergeschmiegt und ins Heu gekuschelt, zum Winterschlaf vereint. Etwa alle 4 Wochen wachen einzelne Tiere auf, um sich zu entleeren. Sie nehmen aber während der gesamten Winterruhe keine Nahrung zu sich. Die Körpertemperatur sinkt beim Winterschlaf auf 5-7 °C.

Fortpflanzung Kurz nach dem Erwachen aus der Winterruhe im April beginnen die Murmeltiere mit der Paarung, die sich meist im Bau abspielt. Ob es während der Brunftzeit, die beim Weibchen nur 1 Tag lang dauert, in der Familie oder Kolonie zu Streitigkeiten unter den Männchen kommt, ist umstritten. Das gleiche Weibchen kann während der kurzen Brunftzeit mit mehreren Männchen kopulieren. Nach 25-34 Tagen werden 2-7 blinde Junge geboren, die erst nach 3 Wochen ihre Augen öffnen. Das Weibchen beansprucht während der Jungenaufzucht den größten Teil des Baues für sich. Die übrigen Familienmitglieder müssen solange ausziehen.

Lebensweise Es ist überhaupt schwierig, die Familienstruktur eines Baues zu ergründen. Meist besteht die Familie aus einem Männchen (in der Jägersprache »Bär«), einem Weibchen (»Katze«) und den noch nicht geschlechtsreifen Jungen der letzten zwei Jahre. Die neugeborenen Kleinen gehen mit 2 Monaten zum erstenmal selbst auf Beobachtungsposten, kehren aber nachts immer wieder in den mütterlichen Bau zurück, auch wenn sie tagsüber in familienfremden Bauen gespielt haben.

Murmeltiere sind ausschließlich tagaktiv. Das tägliche Aktionsgebiet wird mit einem schmierigen Sekret aus Wangendrüsen markiert. Eine weitere Drüse, die Analdrüse, tritt nur bei Gefahr in Aktion. Ausgestülpt, verströmt sie einen widerlichen Geruch.

Nahrung Die Hauptnahrung besteht aus krautigen Pflanzen, daneben auch aus Blüten und Früchten alpiner Pflanzen. Ob auch Kleintiere gefressen werden, ist nicht bekannt.

Feinde Der natürliche Feind des Alpenmurmeltieres ist der heute so seltene Steinadler. Außerdem wird es vom Kolkraben, vielleicht auch von Mardern und früher auch von Bär und Luchs gejagt. In Deutschland läßt das Jagdgesetz nach den Massenabschüssen früherer Jahrzehnte heute nur noch einzelne Abschüsse mit besonderer Erlaubnis der Jagdbehörde zu.

Bobak oder Steppenmurmeltier (Marmota bobak) Das Steppenmurmeltier schließt in seiner Verbreitung ostwärts an das Alpenmurmeltier an und ist in Steppengebieten bis nach Ostsibirien zu finden. Von der vorigen Art unterscheidet es sich hauptsächlich durch die auf der Vorderseite weißen Nagezähne, das hellere Fell und die etwas größeren Körpermaße. Dagegen sind Schwanz und Füße kürzer. Ansonsten sieht ein Bobak einem Alpenmurmeltier recht ähnlich.

Auch die Baue in der ebenen Steppe erinnern an die des Alpenmurmeltieres. Die Kolonien der mongolischen Unterart, des Tarbagans (Marmota bobak sibirica), erstrecken sich in der mongolischen Steppe über riesige Gebiete. Die Felle des Tarbagans sind in der Mongolei wichtige Handels- und Ausfuhrware; sie eignen sich gut zur Nachahmung teurer Pelzsorten.

Der Bobak hat weitaus mehr Feinde als sein alpiner Vetter: Bären, Schneeleoparden, Wölfe, Hunde, Füchse, Iltisse, Vielfraße und verschiedene Greife.

Winterschlaf und Fortpflanzungsverhalten entsprechen denen des Alpenmurmeltieres.

Eisgraues Murmeltier (Marmota caligata) Das Eisgraue Murmeltier führt als Gebirgsbewohner eine sehr ähnliche Lebensweise wie das Alpenmurmeltier. Seine Verbreitung (mit mehreren Unterarten) erstreckt sich über Nordostsibirien und Alaska. Das helle, eisgraue Fell tarnt das Tier vorzüglich gegenüber den Felsen. Mit 40-53 cm Körperlänge bleibt es kleiner als das Alpenmurmeltier, besitzt jedoch einen längeren Schwanz.

Waldmurmeltier (Marmota monax) Ebenfalls nur 40-51 cm groß wird das nordamerikanische Waldmurmeltier. Anders als seine Verwandten lebt es als Einzelgänger und ist auf Waldränder und Waldgebiete beschränkt. Bei Gefahr kann es sogar ein Stück auf Bäume klettern. Es ernährt sich überwiegend von Pilzen, Gräsern und Früchten.


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