Diese Familie der Kranichvögel ist eine recht alte Gruppe von 138-140 Arten, wovon 11-13 allerdings bereits durch Einwirkung des Menschen ausgerottet wurden. Die Verbreitung dieser von anderen Vogelgruppen recht gut abgrenzbaren Familie ist weltweit (Ausnahme Antarktis). Selbst abgelegene Inseln wurden von Rallen besiedelt, von denen manche dort ihr Flugvermögen zurückgebildet haben, da keine Bodenfeinde existierten. Erst die Besiedelung durch den Menschen und von ihm eingeschleppte Haustiere (Hunde, Katzen, Ratten) haben viele eigentümliche Inselformen vernichtet und weitere an den Rand des Aussterbens gebracht.
Merkmale Rallen sind kleine bis mittelgroße Bodenbewohner. Ihr seitlich zusammengedrückter Körper sowie die auch seitwärts recht bewegliche Wirbelsäule ermöglichen den Vögeln, sich lautlos und geschickt durch die dichte Vegetation von Wiesen, Sümpfen, Mangrovendickichten und ähnlich nassen Biotopen zu bewegen. Die Beine der Rallen sind im Verhältnis zum Rumpf mittellang bis lang und tragen sehr lange Zehen, so daß die Tiere auch über weichen, schlammigen Boden laufen können, ohne darin einzusinken. Nur die Bläßhühner (Unterfamilie Fulicinae) haben sich an ein Leben auf dem Wasser angepaßt und halten sich in oft großen Scharen auf offenen Wasserflächen auf, während die »Echten Rallen« (Unterfamilie Rallinae) fast ausnahmslos ungesellig, sehr scheu und versteckt leben. Die Zehen der Bläßhühner tragen seitliche Auslappungen, während alle anderen Rallen keine Schwimmlappen haben. Von der Lebensweise her leiten Teichhühner und ihnen nahe verwandte Rallen zu den Bläßhühnern über; im Notfall jedoch können sicherlich alle Rallen schwimmen.
Arten, Gestalt Das Gefieder dieser Kranichvögel ist sehr weich und meist unauffällig braun, grau oder schwärzlich gefärbt. Einige Arten haben jedoch leuchtend grün, blau oder violett schimmernde Federn, wie die Takahe und Purpurhühner (Gattung Porphyrio), darunter das 43 cm große Smaragdhuhn (Porphyrio madagascariensis). Auch die beiden Arten der Sultanshühnchen (Gattung Porphyrula) tragen ein blaugrün schimmerndes Federkleid. Beine, Schnabel und der Stirnschild an der Schnabelwurzel sind oftmals leuchtend bunt gefärbt, wie z. B. bei der 38 cm langen Blutfußralle oder Buschralle (Himantornis haematopus) Afrikas (Liberia bis zum Kongo).
Die Flügel der Rallen sind kurz und abgerundet; sie liegen wie bei Hühnervögeln durch ihre Wölbung eng am Körper an. Auch der zumeist kurze, kräftige Schwanz erinnert an Hühner. Einige Arten haben jedoch auch längere und leicht nach unten gebogene Schnäbel, wie z. B. die Angehörigen der Gattung Rallus (Wasserralle) und die waldbewohnenden Rallen Mittel- und Südamerikas; so die 7 Arten der Gattung Aramides, darunter die 45 cm große Ypecaharalle (Aramides ypecaha) sowie die Cayenne-Ralle (A. cajanea). Ihren kurzen Schnabel tragen Rallen in der Regel »gestelzt« (steil nach oben gerichtet). Bei den meisten Rallen sehen beide Geschlechter gleich aus; einige Arten haben jedoch unterschiedlich gefärbte Alterskleider, wie z. B. die Sumpfhühner (Gattung Porzana). Die (systematisch gesehen) falsche Bezeichnung »Huhn« bezieht sich im allgemeinen auf kleinere, kurzschnäbelige Rallenarten.
Lebensweise Obwohl einige Arten, so manche Sumpfhühner, weite Entfernungen zu ihren Winterquartieren zurücklegen, machen Rallen nur sehr ungern von ihren Flügeln Gebrauch. Aber auch die Zugvögel flüchten außerhalb der Zugzeit lieber zu Fuß. Im Flug hängen die langen Beine schräg nach unten.
Die Mehrzahl der Rallenarten nimmt vielerlei tierische und pflanzliche Nahrung zu sich; einige Arten - so die 50 cm große Wekaralle (Gallirallus australis) Neuseelands - leben ausschließlich »räuberisch«, andere - wie z. B. die Purpurhühner - sind reine Vegetarier und halten beim Zerkleinern größerer Brocken die Nahrung oft mit den Füßen fest (wie der Rallenkranich, ein »Verbindungsglied« zu den Kranichen).
Fortpflanzung Die meisten Rallen leben monogam und nisten sehr versteckt in dichter Ufervegetation. Das Nest wird auf umgeknicktem Bewuchs errichtet, wobei die Vögel den Unterbau fest mit dem eigentlichen Nest verflechten. Vielfach schützt ein Dach aus umgebogenem Schilf die Nistmulde sowie die schwarzbedunten Jungvögel. Junge Rallen sind ausgesprochene Nestflüchter; an jedem Handgelenk befindet sich eine kleine Kralle, mit deren Hilfe die kleinen Vögel behende im Pflanzenbewuchs umherklettern. Anfänglich nehmen sie ihr Futter direkt vom Schnabel der Altvögel ab.
Im paläarktischen Raum (Eurasien außer Süd- und Südostasien) brüten 16 Rallenarten, weitere 6-7 Arten erscheinen gelegentlich als Irrgäste aus Afrika, Vorderasien und Nordamerika. Neben den wasserbewohnenden Bläß- und Teichhühnern leben die anderen Rallen in sumpfiger Ufervegetation oder in ausgedehnteren Feuchtlandschaften.
Sumpfhühner (Gattung Porzana) Sie sind in Europa die artenreichsten Vertreter der Rallenfamilie; bei dem 23 cm langen, überwiegend in der Dämmerung aktiven Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) unterscheiden sich die Brutpartner kaum, während das nur 18 cm große, männliche Zwergsumpfhuhn (P. pusilla) durch seine graue Vorderseite vom braunen Weibchen gut zu unterscheiden ist. Der 27 cm große Wachtelkönig (Crex crex) bewohnt dichte Grasbestände, weshalb man ihn auch Wiesenralle nennt. Sein wissenschaftlicher Name gibt lautmalerisch die typischen, knarrenden Rufe dieses Rallenvogels wieder.
Gefährdung Bei uns werden Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) und Wachtelkönig (Crex crex) auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten geführt.