Neben den 4 Arten der Wachteln i.e.S. (Gattung Coturnix) werden in der Gattungsgruppe eigentliche Wachteln (Coturnicini) 4 weitere Gattungen zusammengefaßt, die nur mit jeweils einer Art - ebenfalls in der Alten Welt - vertreten sind.
Wachteln i. e. S. (Gattung Coturnix) Die Wachtel (Coturnix coturnix) hat ihre ausgedehnten Brutgebiete in - je nach Unterart - deutlich gegeneinander abgegrenzten Regionen der Alten Welt. Bis auf die nördlichen Tundren und den tropischen Regenwald wurden hierbei alle Klimazonen besiedelt. Während der Verbreitungsgebiete der Europäischen Wachtel (Coturnix coturnix coturnix), der Ussuri-Wachtel (C. c. ussuriensis) und der Japanischen Wachtel (C. c. japonica) zwischen 65° und 23° nördlicher Breite eng aneinandergrenzen, besteht eine Verbreitungslücke gegenüber der südostafrikanischen Unterart (Afrikanische Wachtel, C. c. africana).
Wanderungen Die Wachteln sind - als Ausnahme unter den Hühnervögeln - typische Zugvögel. Sowohl die europäisch-asiatischen als auch die afrikanischen Brutpopulationen überwintern in den Steppen und Savannen Afrikas bzw. Südasiens. Dabei werden in den südlichen Brutgebieten die Wanderungen nur durch die periodischen Trockenzeiten und nicht durch sinkende Temperaturen ausgelöst wie bei den nördlichen Populationen. Daher ist auch die Zugzeit sehr unterschiedlich. Während die Vögel aus dem Norden sehr spät im Herbst ihren Zug in die Überwinterungsgebiete antreten, zwingt die einsetzende Dürre die in Nordafrika brütenden Vögel bereits ab April zum Ausweichen in günstigere Nahrungsgebiete.
Merkmale Entsprechend ihrer Lebensweise sind die Flügel dieser kleinen Hühnervögel (18 cm Körperlänge) gut zum Flug über weite Strecken geeignet; sie sind wenig gewölbt und an der Spitze (1.-3. Schwinge) verlängert. Dabei fliegen sie außerhalb der Zugzeit ebenso ungern wie andere Hühnerarten. Vom nicht voll ausgefärbten Rebhuhn ist die Wachtel durch die rahmfarbenen Streifen am Kopf unterscheidbar; hinzu kommt beim Männchen eine typische, meist schwarze Kehlzeichnung. Der Schnabel ist an der Stirn etwas erhöht und grau. Die braune Oberseite wirkt durch gelblichweiße Schaftstriche und viele schwarze oder hellbraune Querbänder einfach gemustert. Erwachsene Wachteln mausern zweimal im Jahr.
Ernährung Die Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, Getreidekörnern und anderen Pflanzensamen sowie jungen Pflanzentrieben.
Brut In den weiten Graslandschaften oder - in zunehmendem Maße - in Kulturlandschaften sind besonders in den Dämmerungs- und Nachtstunden die lauten und melodischen »Schläge« der Hähne zu hören. Die Hähne leben offensichtlich polygam und sammeln mehrere Weibchen in ihrem gegen andere Hähne energisch verteidigten Revier. Daraus folgt, daß sie sich nur unwesentlich am Brutgeschäft beteiligen können. Die recht ausführliche Balz beginnt mit einer Futterübergabe.
Als Nest kratzt die Henne eine seichte Mulde in den Boden, die sie nur dürftig mit Pflanzenteilen auskleidet. Während sie die 8-12 Eier bebrütet, hält sich der Hahn nur noch in größerer Entfernung auf. So werden auch die Jungen allein vom Weibchen geführt, sind aber sehr schnell selbständig.
Fang, Gefährdung Vor allem in den östlichen Mittelmeerländern kann im Herbst der Massenzug der Europäischen Wachteln beobachtet werden. Schon aus dem Altertum bekannt, hat es bis etwa 1930 riesige Schwärme von Millionen von Tieren gegeben. Heute treffen nur noch kleinere Scharen ein, denn die Veränderung der Brutbiotope durch den Menschen und der erwerbsmäßige Massenfang haben die Wachteln seltener werden lassen. Bei uns steht die Wachtel heute auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten.
Zucht In Japan wurde die dort einheimische Wachtel wegen ihres Fleisches und der Eier domestiziert, nachdem man sie ursprünglich nur ihres Gesanges wegen im Haus gehalten hatte. Inzwischen hat sich eine regelrechte Wachtel-Industrie entwickelt. Die Wachteln werden in »Batterien« gehalten, in denen die einzelnen Käfige kaum größer sind als der Vogel selbst. So legen gute Weibchen 250-300 Eier im Jahr, beginnend in einem Alter von 35-60 Tagen. Die Legeperiode hält 8-12 Monate an. Auch in Europa (Italien) nimmt die Bedeutung der Wachtel als Eier- und Fleischlieferant zu.
Andere Arten Die kleine Zwergwachtel (Excalfactoria chinensis, 14 cm Körperlänge) ist über Südostasien (von Südostchina bis Borneo) und Südostafrika verbreitet, aber nicht sehr häufig. Die Hähne leben in Einehe, überlassen dennoch den Weibchen das Brutgeschäft. So trifft man die Vögel vorzugsweise in feuchtem Gras- oder Kulturland paarweise oder in kleineren Familien an. Stärker als andere Wachteln ziehen die Zwergwachteln den gerade von der Regenzeit erreichten Gebieten entgegen. Ein eigentlicher Winterzug findet nicht statt. Die Zwergwachteln wurden ebenfalls zu beliebten Zucht- und Käfigvögeln; ihre Eier gelten als Delikatesse.
Sehr lokal kommen die Perlwachtel (Margaroperdix madagascariensis) auf Madagaskar und das Neuguineahuhn (Anurophasis monorthonyx) auf Neuguinea vor.