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Braunbär

Ursus arctos

Herkunft: Europa, Asien, Nordamerika

Braunbären sind mit ihren etwa 30 Unterarten die erdgeschichtlich jüngste Bärengruppe. Sie bewohnen heute die letzten großen Wälder Europas, Asiens und Nordamerikas, waren aber noch in geschichtlicher Zeit von Nordafrika über ganz Eurasien bis Nordamerika heimisch. In Eurasien nimmt der Braunbär von Westen nach Osten an Größe zu, desgleichen von Süden nach Norden (Bergmannsche Regel).

In der Gruppe der Braunbären finden wir mit dem nordamerikanischen Kodiakbären (Ursus arctos middendorfi) den größten Bären und das größte Landraubtier überhaupt. Bei allen Braunbären findet man in bezug auf die Körpergröße einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, denn die Weibchen sind stets erheblich kleiner als die Männchen. Betrachtet man die zahlreichen Unterarten und lokalen Varietäten, so ist der Braunbär bei weitem nicht immer einheitlich braun, sondern variiert von schwarzbraun nach rot- bis gelbbraun und von dunkelgrau nach hellgrau und isabellfarben. Selten behalten erwachsene Braunbären das helle, V-förmige Halsband der Jungtiere.

Ernährung
Wie die Färbung ist auch die Ernährungsweise dieser Allesfresser in verschiedenen Gegenden durchaus unterschiedlich. Wir finden gebietsweise reine Vegetarier, aber auch Bären, die sich ausschließlich von der Jagd auf größere Wild- und Haustiere ernähren. Sie entwickeln sich dabei zu gewieften Ansitzern und Schleichjägern. Nicht nur Haustiere, sondern auch die Pflanzungen bleiben oftmals nicht von ihnen verschont. Wenn sich Gelegenheit bietet, plündern sie gerne Melonen-, Mais-, Kartoffel-, Rüben- und Kohlanpflanzungen. Auf weiten Wanderungen können sie mit erstaunlicher Sorgfalt alle Bienenstöcke einer Gegend zerstören. Liegt ihr Wohngebiet an einem noch von Lachsen bewohnten Fluß, können sie sich fast ausschließlich auf den Fang dieses Edelfisches spezialisieren. Als guter Kletterer vermag der Braunbär auch hoch in Bäumen gelegene Vogelnester auszuplündern. Das nordamerikanische Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) geht ausgesprochen leidenschaftlich an Aas und ist alles andere als der gefürchtete und gefährliche »Killer« der Horrorgeschichten aus der Pionierzeit der USA.

Lebensweise
Jeder Bär ist die überwiegende Zeit des Jahres ein Einzelgänger, der im Paßgang - und nur, wenn unbedingt notwendig, im Galopp - uralte Wechsel einhaltend, durch sein Revier streift. Im Galopp können die sonst so plump wirkenden Bären jedoch auf einer Strecke von 50-100 m die Geschwindigkeit von Pferden erreichen, was meistens ausreicht, um ein Beutetier einzuholen oder einem Feind auszuweichen. Außer dem Menschen haben Braunbären jedoch keine natürlichen Feinde, da sie fast allen anderen Tieren, die nicht als Beute in Frage kommen, ausweichen und selbst dem unbewaffneten Menschen nur äußerst selten gefährlich werden.

Fortpflanzung
Ihr Einzelgängertum geben die Braunbären nur während der Begattungszeit auf. Feste Brunstzeiten scheint es jedoch nicht zu geben. So stellte man in Zoologischen Gärten fest, daß die Bärin bis weit in den Sommer hinein erfolgreich gedeckt werden kann. Wie auch bei den hundeartigen Raubtieren erfolgen die Paarungen nicht an einem einzigen Tag, sondern mehrfach hintereinander, was sich über mehrere Tage hinstrecken kann. So zählte man bis zu 31 Deckakte. Aus der nicht fest umschriebenen Brunstzeit der Bärin ergibt sich auch die schwankende Tragzeit von 6-9 Monaten, je nachdem ob die Paarung im Frühjahr oder Sommer stattfand. Eine eingeschaltete Keinruhe (Marder) sorgt in jedem Fall dafür, daß die Jungen während der Winterruhe im geschützten Versteck der Bärin zur Welt kommen.

Während dieser Winterruhezeit der Mutter liegen die Jungen in den Pfoten der Bärin, die sie wärmend gegen die Brust hält und peinlich sauberleckt. Nach 30-32 Tagen öffnen die Jungen die Augen. Im Alter von 3-4 Monaten erkunden sie ihre nächste Umgebung, was in Freiheit immer der Pelz der Mutter sein dürfte. Mit 5-6 Monaten dürfen die Kleinen das erste Mal die Höhle verlassen, werden aber von den Alten noch bis zu 2 Jahre geführt, ehe sie vor der nächsten Brunst mit kräftigen Ohrfeigen von der Mutter abgeschlagen werden.

Verteidigung
Wird eine führende Bärin von einem Feind, einem Wolf etwa, bedroht, jagt sie ihre Jungen auf den nächsten Baum und stellt sich dem Gegner oder aber flieht und veranlaßt so den Angreifer, seine Aufmerksamkeit von den Jungen abzulenken. Bis auf ein Prusten oder Zähneklappern zeigt ein sich verteidigender oder auch angreifender Bär keine Verhaltensweisen, die seinen Gemütszustand verraten. Jedoch scheint er sich speziell in der Verteidigung häufiger aufzurichten, als dies landläufig beschrieben wird. Ein stehender Mensch veranlaßt einen Bären viel leichter zu aggressiven Handlungen als ein kauernder, was das Aufrichten zweifellos als aggressives Verhaltenssignal deuten läßt.

Gefährdung
Nachdem die Braunbären in der Mitte unseres Jahrhunderts nahe an der Ausrottung standen, scheint ihr Bestand, zumindest in Europa, heute wieder zuzunehmen, auf jeden Fall aber gesichert zu sein. In Nordeuropa zum Beispiel kamen strenge Schutzmaßnahmen und die Abwanderung der Bevölkerung aus dem Norden sprichwörtlich in letzter Minute zur Hilfe, so daß der Braunbärenbestand dort wieder ansteigen konnte und sich weiter vermehrt.

Die Braunbären Nordamerikas, die Grizzlybären, leben fast nur noch im Norden des Kontinents, vor allem in Alaska und im kanadischen Yukongebiet.




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