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Kranich

Gruidae

Herkunft: globale Vorkommen

Außer dem in eine eigene Unterfamilie gestellten Kronenkranich (Balearica pavonina) umfaßt diese Familie der Kranichvögel 13 Arten stattlicher, langbeiniger Vögel mit langen Hälsen, die sie im Fluge gerade nach vorn strecken (im Gegensatz zu Reihern).

Lebensraum und Nahrung
Kraniche bewohnen vorzugsweise offene, sumpfige Landschaften und Steppengebiete, wo sie gesellig umherziehen und nach Beeren, Wurzeln, Sämereien und Früchten sowie nach allerlei tierischer Nahrung suchen. Bei den meisten Kranicharten überwiegt pflanzliche Nahrung.

Lebensweise
Übersichtliche Standorte an unzugänglichen, durch Wasserflächen und Sümpfe abgesicherten Stellen dienen Kranichen als Schlaf- und Rastplätze sowie als Nistgelegenheit. Mit Ausnahme des Kronenkranichs errichten Kraniche ihr Nest ausschließlich am Boden, wobei leicht erhöhte Standorte oder ein oft umfangreicher Nestunterbau die Brut vor Nässe schützen. Während der Fortpflanzungsperiode beanspruchen die Brutpaare bestimmte Reviere; der gesellige Zusammenhalt wird erst nach dem Selbständigwerden der Jungen wiederhergestellt.

Auch die Großgefiedermauser machen Kraniche an unzugänglichen Orten durch, da bei ihnen - mit Ausnahme des Kronenkranichs und des Jungfernkranichs (Anthropoides virgo), der noch einige weitere Besonderheiten aufweist - sämtliche Schwingen auf einmal ausfallen (innerhalb weniger Stunden) und die Vögel somit flugunfähig werden. Zur gleichen Zeit aber führen sie ihre ebenfalls noch fluguntüchtigen Jungen, welche im Alter von 10 Wochen selbständig werden. Nach 5-6 Wochen schließlich ist das neue Gefieder ausgebildet. Jung- und Altvögel finden sich nun zu größeren Gemeinschaften zusammen.

Körperbau
Eine besondere Eigentümlichkeit der Kraniche sind die extrem verlängerten Luftröhren (170 cm Länge beim Schreikranich, Grus americana), die stark aufgewunden sind und auch den breiten, hohen »Kiel« des Brustbeins durchziehen und zusammen mit den Höhlungen dieses Knochens als verstärkende Resonanzkörper wirken. Die weithin schallenden, »schmetternden« Kranichrufe wären ohne diese anatomische Besonderheit bei weitem nicht so laut.

Kranichschnäbel sind meist länger als der Kopf des Vogels, der intensiv bunt gefärbte (meist rote) nackte Hautpartien, verlängerte Schmuckfedern oder besondere Hautlappen (z. B. der Klunkerkranich, Bugeranus carunculatus) trägt. Auch sind die Armschwingen bei vielen Arten stark verlängert und zu Schmuckfedern umgebildet. Typisch für Kraniche ist auch die recht weit oberhalb der vorderen drei Zehen ansetzende kleine Hinterzehe.

Kranichtänze
Eine sehr charakteristische Verhaltensweise stellen die »Tänze« der Kraniche dar. Auch außerhalb der Balzzeit beteiligen sich sowohl Altvögel als auch fast erwachsene Jungtiere an recht anmutig wirkenden Luftsprüngen und Verbeugungen, wobei die Vögel kreisförmig oder in Schleifen umeinander herumlaufen und in höchster Erregung schließlich den Hals, ihre Beine und die weit geöffneten Flügel im Sprung nach vorne werfen.

Zugverhalten
Im Herbst ziehen Kraniche oft in großer Höhe (beim Kranich, Grus grus, beträgt die größte festgestellte Höhe 4300 m) in V-Formation oder gestaffelt zu ihren warmen Winterquartieren, wobei sie - anders als z. B. Störche - in beständigem Ruderflug auch offenes Meer und Gebirgsketten in direkter Linie überfliegen. Die Vögel zusammenhängender Brutgebiete sammeln sich und fliegen dann gemeinsam ab; ihre langen Stimmführungsrufe sind auch aus großen Höhen noch gut vernehmbar. Bis auf die Arten der warmen Länder sind alle Kraniche Zugvögel, die schon sehr früh im Jahr wieder an ihren Brutplätzen erscheinen.

Bestand
Für die sehr standorttreuen Kraniche bedeuten größere landschaftliche Veränderungen in ihrem Brutgebiet eine extrem starke Gefährdung für das Überleben der Art; in der Tat haben die Kranichbestände weltweit stark abgenommen.

Arten
Der bis 1,25 m große Schreikranich (Grus americana) aus Nordamerika ist die seltenste Kranichart. Nur dank intensiver Schutzbemühungen konnte der Vogel bisher vor dem Aussterben bewahrt werden, doch schätzt man den Bestand nur noch auf etwa 200 Tiere. Damit ist der Schreikranich nach wie vor äußerst gefährdet.

Die Kriege in den althergebrachten Winterquartieren Südostasiens haben auch viele asiatische Kraniche das Leben gekostet, so daß heute (auch wegen zunehmender Zerstörung der weiträumigen, ehemals menschenleeren Brutgebiete) die etwa 1,3 m großen Mandschurenkraniche (Grus japonensis) aus dem Nordosten der Mongolei und der Mandschurei (bis zum Amur) sowie von Hokkaido, die 90 cm langen Mönchskraniche (Grus monacha) aus Sibirien und der Mandschurei sowie die 1,1-1,2 m großen Schwarzhalskraniche (Grus nigricollis) aus dem kleinen, 4000-5000 m hoch gelegenen tibetanischen Brutgebiet vom Aussterben äußerst stark bedroht sind. Besonders stark gingen die Bestände des 1,25 m großen Weißnackenkranichs (Grus vipio) während des Koreakrieges zurück. Seine Brutgebiete liegen zwischen dem Baikalsee und Ussuri bzw. Amur. Auch Nonnenkraniche (Grus leucogeranus) aus dem Nordwesten und Nordosten Sibiriens gehören leider zu den sehr gefährdeten Arten. Diese 1,35 m großen Vögel werden bisweilen ebenfalls als »Schneekraniche« bezeichnet.

Mit einer Gesamtlänge bis zu 1,5 m sind der Saruskranich (Grus antigone), auch »Halsbandkranich« und »Riesenkranich« genannt, sowie der Klunkerkranich (Bugeranus carunculatus) Afrikas die größten Vertreter ihrer Familie. Das Verbreitungsgebiet des Saruskranichs erstreckt sich von Nordindien bis Südostasien und Malaysia sowie über die Philippinen und den Norden Australiens.

Der Jungfernkranich (Anthropoides virgo) und der Paradieskranich (Anthropoides paradisea) sind mit 95 cm bzw. 100 cm Gesamtlänge die kleinsten Kranicharten.

Der westeuropäische Kranich (Grus grus) gilt in seinem Gesamtbestand noch nicht als gefährdet. In Deutschland brüten etwa 1200-1400 Paare, meist in besonders unzugänglichen Sumpf- und Moorgebieten in den neuen Bundesländern, während in Schleswig-Holstein und Niedersachsen höchstens noch 60-80 Brutpaare zu beobachten sind. Der Kranich steht bei uns auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.

Fortpflanzung
Die Brutbiologie des 1,2 m großen Kranichs (Grus grus) ist weitgehend identisch mit dem Verhalten anderer Kranicharten: Geschlechtsreif werden Kraniche mit etwa 5 Jahren. Die Männchen wiegen ausgewachsen 4 -7 kg, während weibliche Tiere mit höchstens 4 -5,5 kg Gewicht etwas kleiner bleiben.

Die Brutpartner halten, sobald sie sich bereits kurz nach ihrer Ankunft im Brutgebiet erstmals verpaart haben, ihr Leben lang in »Einehe« zusammen. Etwa Mitte März treffen in Mitteleuropa die ersten Brutvögel ein und beginnen gleich mit der Balz.

Wenn die Nistplätze nicht mehr vereist sind, wählen beide Brutpartner gemeinsam den Neststandort aus und errichten (zumeist auf dem vorjährigen Nistplatz) ihr Nest, indem sie Gras, Schilf u. ä. aus der nächsten Umgebung (bis 10 m Umkreis) herbeischaffen.

Das Gelege besteht in der Regel aus 2 verhältnismäßig kleinen Eiern (9,6 x 6,3 cm, Gewicht 180-190 g), die ungefähr 30 Tage lang von beiden Altvögeln erbrütet werden. Bei einem Legeabstand von 1-2 Tagen schlüpfen die Jungen demzufolge ebenfalls in 1- bis 2tägigem Abstand.

Sofern sie ungestört bleiben, verlassen die Jungen nach ihrem ersten Lebenstag das Nest und streifen mit ihren Eltern umher. Bei Gefahr können junge Kraniche aber schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen davonlaufen. Während der ersten 4 Lebenswochen tragen die Jungvögel nacheinander zwei braune Dunenkleider, voll befiedert sind sie dann mit 6 Wochen. Nach insgesamt 9-10 Wochen werden Kraniche flugfähig und selbständig; sie bleiben aber noch bis zum Winter oder sogar bis zum Beginn der nächsten Brutperiode mit den Altvögeln zusammen.

Höchstalter
Kraniche werden recht alt: In Asien gelten sie geradezu als Symbol für ein hohes Lebensalter. Genaue Untersuchungen an Wildvögeln fehlen noch; in Gefangenschaft lebten einige Tiere über 40 Jahre lang.




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