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Lamas

Lama

Herkunft: Südamerika

Die südamerikanischen Vertreter der Gattung Lama gehören zur Familie der Kamele. Neuweltkamele unterscheiden sich von ihren Verwandten aus der Alten Welt durch geringere Größe, verhältnismäßig große Augen und Ohren sowie das Fehlen von Rückenhöckern. Ferner haben die Lamas vergleichsweise kleine Sohlenpolster und stärker voneinander getrennte Zehen als Altweltkamele. Sie stellen den urtümlicheren Bautyp dar.

Aufgrund ihres Fußbaues sind Lamas als Gebirgstiere zu erkennen, deren Sohlen vor dem Ausrutschen schützen und deren bewegliche Zehen sich als Unebenheiten des Untergrundes vortrefflich anpassen. Als weitere Anpassung an das Leben in großen Höhen oder kalten Steppen ist das wollige Haarkleid mit geringem Grannenanteil zu werten. (Weitere Höhenanpassungen siehe unten unter Vikunja.)

An den Hinterläufen besitzen Lamas an der Außen- und Innenseite des Mittelfußes je ein horniges Drüsenfeld, die sogenannte Kastanie. Bei Vikunjas sind die Kastanien unter dem Fell verborgen.

Abstammung der Haustierformen
Wir unterscheiden heute zwei wildlebende Arten: das kleinere Vikunja und das kräftigere Guanako. Das Guanako gilt als Stammform der beiden Haustierarten Lama und Alpaka, die beide ganz unterschiedlich genutzt werden.

Vikunja (Lama vicugna)
Die Widerristhöhe des zierlichen Vikunja beträgt etwa 100 cm, sein Gewicht bis 60 kg. Der Kopf ist kürzer, die Fellfarbe der Oberseite heller als beim Guanako. Die Rückenfärbung ist rötlichgelb, die der Unterseite ist weißlich, unscharf von der Oberseite abgesetzt. Am Halsansatz hängt eine 12-30 cm lange Brustmähne herab. Die Wolle ist gekräuselt und feiner als die aller anderen Lamas. Die Haut des Vikunja ist dünner als bei seinen Verwandten.

Lebensraum
Das Vikunja lebt in den Hochanden und bewohnt in dieser Region Höhen zwischen 3500 und 5000 m. Wegen seines zarten Fußbaues meidet das Vikunja Felsen und Geröllhalden, es bevorzugt die alpinen Matten. Während des trockenen Sommers weichen die Vikunjas in die Täler aus, wo bei größerer Feuchtigkeit ein dichterer grüner Pflanzenteppich vorherrscht. Das Vikunja ist von der Feuchtigkeit stärker abhängig als das Guanako.

Nahrung
Das Vikunja ernährt sich von Gräsern und breitblättrigen Kräutern der andinen Matten.

Anpassung an das Leben im Hochgebirge
Alle Lamaartigen, besonders aber das Vikunja, zeigen Anpassungen an das Leben in großer Höhe. Herz und Kreislauf werden mit dem Leben in der sauerstoffarmen Luft und dem geringen Druck fertig. Das Herz muß eine größere Pumpleistung vollbringen als bei einem Leben in geringerer Höhe. Es ist daher verhältnismäßig groß. Die Zahl der roten Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport bewirken, ist höher als bei Säugetieren aus tiefer gelegenen Gebieten. Ein Lama hat davon in einem Kubikmillimeter Blut mehr als 12 Millionen. Beim Vikunja steigt die Anzahl der Erythrozyten auf über 14 Millionen. Für den Menschen sind Werte um 5 Millionen normal.

Lebensweise
Vikunjas bilden kleine Rudel aus einem Leithengst und bis zu 15 Stuten. Junge Hengste vereinigen sich zu Herden von 20 -50 Tieren. Der Leithengst bewacht seine Herde und setzt sich auf der Flucht an den Schluß. Jedes Rudel bewohnt ein Areal von bis zu 40 Hektar Ausdehnung. Innerhalb dieses vom Leithengst verteidigten Gebietes ist es ziemlich ortstreu. Das Vikunja wandert also nicht wie das Guanako.

Charakteristisch für die Vikunjas ist die »eingeklemmte« Schwanzhaltung, die sie meistens einnehmen. Erregte Tiere erheben den Schwanz in gestreckter Form. Im Gegensatz dazu sieht man Lamas und Guanakos ihren Schwanz häufig in gebogener Haltung erheben. Beim Alpaka wird der Schwanz seltener hochgehalten. Wenn das Alpaka den Schwanz erhebt, hält es ihn nur mäßig hoch, aber in gebogener Form.

Die Stimme der Vikunjas wird als eigenartiges Schreien und Pfeifen beschrieben.

Fortpflanzung
Von allen Lamaartigen kämpfen die Hengste der Vikunjas am meisten und erbittert um die Herrschaft über die Stutenherde. Es kommt dabei zu ernsthaften Beißereien. Die Ohren vieler Vikunjas sind durch Bisse verstümmelt. Nach dem regenreichen Sommer, im Januar und Februar setzt die Stute ein Fohlen. Die Tragzeit dauert 10 Monate. Die Jungen können der Herde schon am 2. Lebenstag folgen.

Naturschutz
Obwohl das Vikunja heutzutage unter Schutz steht, wird es immer noch gewildert. Fell und Fleisch dieser Art werden hoch bewertet. Die zunehmende Schafzucht und die damit verbundene Einzäunung von Weideland schränken den Lebensraum des Vikunjas immer mehr ein. Der Bestand der Art ist in freier Wildbahn immer noch gefährdet, weshalb sie durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unter Schutz gestellt ist.

Die in Gefangenschaft gehaltenen Vikunjas sind in einem internationalen Zuchtbuch registriert. So wird versucht, den Bestand dieser Tierart durch Nachzucht in Zoologischen Gärten zu erhalten, da wirksamer Schutz in den Herkunftsgebieten vorläufig noch nicht möglich ist.

Guanako (Lama guanacoë)
Die Widerristhöhe des Guanakos beträgt etwa 120 cm, sein Gewicht erreicht bis zu 120 kg. Diese Wildart ist schlank, hochbeinig und hat eine stark eingezogene Weichenregion. Die meist aufrecht getragenen Ohren sind lang und spitz. Die Farbe der Oberseite und Flanken ist ein lebhaftes, helles Rotbraun; Unterseite und Rückseite der Gliedmaßen sind weißlich und setzen sich deutlich von der Oberseite ab. Das Gesicht ist dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Der bogig getragene Schwanz ist wollig behaart, ebenso wie der Rücken.

Lebensraum
Das Guanako bewohnt Grasfluren und Geröllhalden von der Schneegrenze bis zu den kalten, windigen Pampas Patagoniens und den Inseln an der Südspitze des Kontinents wie Feuerland und andere. Es meidet reine Felslandschaften und Schneefelder. Guanakos gehen auch ins Meer und erreichen schwimmend die vorgelagerten Inseln.

In ihrem Lebensraum bevorzugen Guanakos trockene Gegenden. Die Temperatur spielt für sie keine große Rolle. In der trocken-heißen Steppenlandschaft des Gran Chaco wurde das Guanako durch den Menschen ausgerottet.

Lebensweise
Guanakos bilden Trupps aus einem Leithengst und 4-10 Stuten samt ihrem Nachwuchs. Jüngere Hengste bilden eigene Junggesellenrudel bis zu 30 Tieren. Nach der Paarungszeit können sich mehrere Rudel zu großen, gemischten Herden zusammenfinden. Ältere Hengste sollen abgesondert leben.

Verhalten
Ein Leithengst nimmt in der Nähe seines Rudels einen Beobachtungsposten ein. Bei Gefahr zieht er sich mit seiner Herde im Gänsemarsch zurück. Bei großer Gefahr flüchtet das Rudel in lebhaftem Zickzack; dabei suchen die Tiere nach Möglichkeit die steilen Hänge auf.

Guanakos benutzen innerhalb eines Verbandes gemeinsame Kotplätze. Der Kotabsatz wird zuweilen zu einem regelrechten »Kotzeremoniell«. Dicht bei den Kotplätzen wälzen sich Guanakos im trockenen Sand und nehmen auf diese Weise Staubbäder. Wenn die Guanakos abwandern, dienen die zum Mulden vertieften Sandwannen als Nistplatz für Nandus, die Pampasstrauße.

Guanakos sind tagaktiv; während der Morgen- und Abendstunden suchen sie die Tränke auf.

In der Ruhestellung liegen Guanakos auf der Brust. Jungtiere strecken dabei die Vorderläufe nach vorne aus, statt sie wie die Erwachsenen in den Handgelenken einzuknicken.

Wanderungen
In Zusammenhang mit Wetter und Nahrungsangebot führen Guanakos Wanderungen durch. Sie weichen vor Schneefällen in die Täler aus. Guanakos durchschwimmen ohne weiteres Flüsse oder sogar Meeresarme.

Kampfverhalten
Bei innerartlichen Auseinandersetzungen spucken sich Guanakos gegenseitig an. Bei allen Kämpfen legen sie die Ohren zurück. Im heftigeren Kampf versuchen sie, sich gegenseitig in die Vorderbeine zu beißen. Dabei umschlingen sie einander mehr oder minder mit den Hälsen. Vielfach führt dies zu regelrechten Halskämpfen, die auch bei anderen Schwielensohlern und in etwas anderer Form bei Giraffen zu beobachten sind. Nicht selten beißen sie sich gegenseitig in die Ohren, die dann die Spuren von Verletzungen tragen. Außerdem schlagen sie nach vorn mit den Vorderläufen oder keilen nach hinten aus.

Feinde
Außer dem Menschen und seinen Hunden wird den Guanakos vor allem der Puma gefährlich.

Höchstalter
Guanakos erreichen ein Alter von ungefähr 25 Jahren.

Fortpflanzung
Im Frühling der Südhalbkugel (August-September) paaren sich die Guanakos. In dieser Zeit kämpfen die rivalisierenden Hengste heftig miteinander. Die Kämpfe werden von einem Geschrei begleitet, das entfernt an ein Wiehern erinnert. Der Unterlegene verläßt das Revier, nachdem ihn der Leithengst eine Weile verfolgt hat.

Zur Begattung legt sich die Stute nieder. Der Deckakt kann eine halbe Stunde lang dauern.

Das Fohlen wird nach 11 Monaten Tragzeit geboren. Die Geburt erfolgt im Stehen. Das Junge kommt schon wenige Minuten nach seiner Geburt auf die Beine und kann seiner Mutter bereits am zweiten Lebenstag folgen. Es wird nicht trockengeleckt. Zwillingsgeburten sind eine Ausnahme.

Nahrung
Das Guanako ist in erster Linie ein Grasfresser. In Gefangenschaft schält es gern die Rinde verschiedener Gehölze. Sonst besteht seine Nahrung aus Kräutern und Moos.

Gefährdung
Der Lebensraum der Guanakos wird durch Ausdehnung der Weidewirtschaft immer mehr eingeengt. Aus dem Gran-Chaco-Gebiet und aus Teilen Perus ist diese Art bereits verschwunden, und auch in Argentinien nimmt der Bestand ab. In Chile und Peru gilt das Guanako als gefährdet.

Lama und Alpaka (Lama guanacoë f. glama)
Beide Haustierarten sind als Zuchtrassen aus dem Guanako entstanden.

Das Lama wird größer und schwerer als die Ausgangsform. Seine Widerristhöhe beträgt etwa 130 cm, das Gewicht um 120 kg. Das Lama kommt in vielerlei Farbschlägen in Braun und Weiß vor. Häufig sind gescheckte Exemplare. Das Haar bildet eine lange, grobe Wolle.

Das Lama ist ein präkolumbianisches Haustier, das für die weißen Eroberer Perus etwas Neues war. Es stammt aus der alten Inkakultur. Funde deuten darauf hin, daß es sogar schon von den Vorgängern der Inkas domestiziert wurde.

Die Lamahengste werden, wenn sie mehr als 3 Jahre alt sind, als Packtiere verwendet. Ein Packsattel erübrigt sich, da das dichte Fell ein gutes Polster zwischen Last und Lamarücken bildet. Im unwegsamen Gelände des Altiplano, der Hochebene Perus und Boliviens, transportieren Lamakarawanen Lasten bis zu 50 kg pro Tier in einem Tagesmarsch 20-30 km weit. So wickelte sich die Versorgung der Erzbergwerke und der Abtransport der Erze in den vergangenen Jahrhunderten mit Hilfe von Lamakarawanen ab.

Stuten und Jungtiere werden auf Weiden gehalten. Teilweise leben sie halbwild und kehren nur zeitweilig in menschliche Obhut zurück.

Von den Lamas nutzt man die Wolle zur Herstellung von Ponchos, Matten und Stricken. Das Fleisch gilt als Leckerbissen. Das Leder wird zu Sandalen verarbeitet. Die Milch spielt keine große Rolle bei der Nutzung dieses Haustieres. Der Talg liefert Kerzenmaterial, und der getrocknete Dung ist in der holzarmen Gegend ein geeignetes Brennmaterial. Die Indianer gehen mit ihren Lamas freundlich und geduldig um. Sie haben dafür ein wertvolles, genügsames Haustier.

Das Alpaka ist wesentlich zierlicher gebaut als das Guanako. Die Körpergröße ist sehr variabel. So beträgt die Widerristhöhe bis 110 cm, das Gewicht bis 70 kg. Das lange Haar ist gewellt und wollig. Deck- und Unterhaar sind stark vereinheitlicht, so daß ein gleichmäßiges Vlies zustande kommt. Seine Farbe kann schwarz, weiß, grau, braun und gescheckt sein.

Das Alpaka liefert in erster Linie Wolle von ausgezeichneter Qualität. Die Wolle wird von den Einheimischen zu Decken und Mänteln verarbeitet. Ein großer Teil wird exportiert. Die Tiere werden alle 2 Jahre geschoren. Vom 5. Lebensjahr ab liefern die Alpakas einen optimalen Ertrag.

Das Fleisch des Alpakas wird von den Indianern gegessen.

Alpakas werden in den fast baumlosen Hochgebirgslandschaften von Ecuador, Peru und Bolivien gehalten. Diese Region erstreckt sich von der Waldgrenze oberhalb 2400 m bis an die Schneeregion in über 4000 m Höhe. In Peru, dem Hauptverbreitungsgebiet der Alpakas, gibt es diese Haustierform seit etwa 2200 Jahren. Vor 30 Jahren wurden in den Anden rund 2 Millionen Alpakas gehalten. Versuche, dieses Nutztier in Nordamerika, Europa und Australien einzuführen, sind sämtlich gescheitert.




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