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Lemminge

Lemmus

Herkunft: Nordhalbkugel

Hartnäckig hält sich das Märchen, die Lemminge würden bei zu starker Vermehrung zu Hunderttausenden vereint zum Meer eilen, um sich dort freiwillig in die Fluten zu stürzen und so durch »Massenselbstmord« ihrer Überbevölkerung ein Ende zu bereiten.

Wanderungen
Wahr ist, daß manche Lemmingarten zu periodisch wiederkehrenden Massenvermehrungen neigen. Die schnelle Vermehrung führt zu Nahrungsverknappung und zu Streß. Bei hoher Populationsdichte geraten die reizbaren und unverträglichen Tiere ständig aneinander. Diese Umstände lösen schließlich die Bildung von Wanderzügen aus: Ein Großteil der Tiere wandert ab, um neuen Lebensraum zu suchen.

Besonders die Wanderungen des Berglemmings (Lemmus lemmus) sind häufig untersucht und beobachtet worden. Die Tiere wandern meist bei Nacht, nur bei Massenzügen auch am Tage. In 24 Stunden kann ein Lemmingzug eine Strecke von 15 km bewältigen. Auch während der Wanderung setzen die Tiere ihre Streitigkeiten fort, die rastlosen Nager sind jetzt besonders aggressiv. Nur wenn sich größere Hindernisse dem Zug in den Weg stellen, wie z. B. die reißenden Fluten eines Flusses, ist jeder Streit vergessen.

Nach kurzem Verharren stürzen sich die Tiere tatsächlich mit »Todesmut« ins Wasser. Wenn auch viele dabei den Tod finden, der größte Teil überquert das Gewässer und setzt seinen Weg fort. Lemminge schwimmen sehr gut und ausdauernd. In ihrem dichten Fell hält sich viel Luft, so daß sie beim Rudern ihrer kleinen Füßchen gleichsam wie von einer Schwimmweste getragen werden. Nach tage-, manchmal wochenlanger Wanderung sind die Tiere allerdings erschöpft. Daher kommt es, daß viele von ihnen gerade beim Überqueren von Gewässern sterben. Da die Lemminge in den tief ins Land eingeschnittenen nordischen Fjorden häufig dem Verlauf der Täler in Richtung Küste folgen, gelangen sie nicht selten auch ans Meer.

Nach wie vor vom Wandertrieb besessen, stürzen sich die entkräfteten Tiere ins Salzwasser. Hier allerdings sind sie zum Tode verurteilt, wenn sie nicht gerade auf eine Insel gelangen: Ohne ein rettendes gegenüberliegendes Ufer in Aussicht, schwimmen sie bis zur Erschöpfung und werden schließlich ein Opfer der Wellen und die leichte Beute von Raubfischen und Möwen.

Jedoch bei weitem nicht alle Lemminge ertrinken im Wasser. Bereits unterwegs kommt es zu hohen Verlusten durch Krankheit und Erschöpfung sowie durch Raubtiere; viele Wanderzüge laufen sich einfach tot.

Ganze Teile der Wanderschar bleiben auch in den neu eingewanderten Gebieten. Sie gründen neue Populationen, während die anderen weiterziehen.

Lebensraum
Lemminge sind als Charaktertiere des Nordens die mit Abstand häufigsten Kleinsäuger dieser Regionen. Sie besiedeln alle nordischen Landschaftstypen: ausgedehnte Tundrenebenen, steinige Hochflächen und sumpfige Gebirgstundren.

Gestalt
Die Gestalt dieser maus- bis schermausgroßen Wühler ist kurz, gedrungen und abgerundet. Kein Körperteil ragt hervor und wäre somit kältegefährdet. Gegen die tiefen Temperaturen schützt das außerordentlich dichte Fell, in dem Augen, Ohren und der Schwanz kaum auszumachen sind. Die Füße tragen Scharrkrallen, mit denen die Tiere ausgezeichnet zu graben verstehen.

Lebensweise, Nahrung
Im Sommer bauen sich die Lemminge weit ausgedehnte, an der Oberfläche liegende Gangsysteme. Manchmal wird das grasgepolsterte Nest auch über der Erde an geschützter Stelle angelegt. Lemminge halten keinen Winterschlaf. Den ganzen Winter über tummeln sich die Tiere in Gängen unter dem Schnee. In diesen Schneetunneln können sie ungestört Nahrung suchen und fressen, während über der Schneedecke die eisigen Winterstürme toben. In dieser Jahreszeit besteht die Nahrung fast ausschließlich aus Moosen, Flechten und Gräsern. In der kurzen Sommerperiode kommen noch Beeren, Pilze, Kräuter und frische Schößlinge auf die Speisekarte.

Fortpflanzung
Lemminge sind sehr fruchtbar, was ja häufig auch zu den bekannten Massenvermehrungen führt. Von Art zu Art unterschiedlich, kommen im Jahr meist 2-5 Würfe mit durchschnittlich 4-5 Jungen zur Welt. Die Tragzeit währt mit etwa 21 Tagen nur kurz, und die neugeborenen Weibchen sind schon nach kurzer Zeit selbst wieder fortpflanzungsreif. Die Paarungszeit beginnt mit dem Frühjahr und endet im Herbst. Der Halsbandlemming vermehrt sich auch im Winter.

Ökologische Bedeutung
Die Bedeutung der Lemminge für das Ökosystem ihrer unwirtlichen Heimat ist enorm. Sie sind das wichtigste Bindeglied in der Nahrungskette zwischen den Pflanzen und den räuberisch lebenden nordischen Säugern und Vögeln. Vor allem im Winter werden diese Nager zur Hauptnahrungsquelle für Polarfüchse, Vielfraße, Greifvögel und Schneeulen. Auch Rentiere fressen neben ihrer kargen Flechten- und Kräuterkost Lemminge.

Arten
In Skandinavien lebt der Berg- oder Fjellemming (Lemmus lemmus), der am buntesten gezeichnet ist, unterseits gelb, oberseits gelb, braun und schwarz. Der Oblemming (Lemmus sibiricus) bewohnt das nördliche Asien. Er hat einen einheitlich braunen Rücken mit schwarzem Aalstrich. Ähnlich schlicht gefärbt, jedoch ohne Aalstrich ist der Braune Lemming (Lemmus trimucronatus) aus dem Norden Nordamerikas.

Daneben werden auch noch Vertreter anderer Gattungen als Lemminge bezeichnet, so der Waldlemming (Myopus schisticolor), der Nadelwälder im nördlichen Skandinavien bewohnt, und der Halsbandlemming (Dicrostonyx torquatus), der zirkumpolar verbreitet ist. In Anpassung an seinen Lebensraum wechselt dieser Lemming im Winter die Fellfarbe und wird nahezu reinweiß.




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