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Lippenbär

Melursus usinus

Herkunft: Indien

Eine eigene Gattung innerhalb der Bären bilden die Lippenbären, die in der Tat der Wissenschaft schon so manches Rätsel aufgegeben haben.

Gestalt
Mit etwa 60 cm Schulterhöhe ist der Lippenbär knapp so groß wie der Baribal oder Schwarzbär. Der Kopf ist relativ groß mit einer langen, schwach rüsselförmigen Schnauze. Den deutschen Namen verdankt der Lippenbär seiner verlängerten Unterlippe. Seine Gliedmaßen sind kurz. Das langhaarige, schwarze Fell hängt zottig vom Körper herab. Auf der Brust prangt ein weißes, V-förmiges Zeichen. Die Ohren wirken durch die starke Behaarung größer, als sie in Wirklichkeit sind. Heute ist der Lippenbär bei weitem nicht mehr so häufig in Indien und auf Ceylon (Sri Lanka) zu finden, wie er es einmal war.

Lebensweise und Ernährung
Als Dämmerungs- und Nachttier bewohnt der Lippenbär tropische und subtropische Wälder der Ebene. Er lebt als Einzelgänger in festen Revieren. Als Schlafplatz sucht er sich natürliche Höhlen oder gräbt sich bei Mangel derartiger Unterkünfte selbst einen Bau. Dabei bevorzugt er dichtes Pflanzengestrüpp in der Umgebung oder auch die Nähe eines Flusses. Er ist ein ausgezeichneter Kletterer, der sich einen Großteil seiner pflanzlichen Nahrung direkt aus den Bäumen holt. Seine Lieblingsspeise stellen jedoch Termiten und Ameisen dar, die er dank seiner rüsselartigen Schnauze aus den aufgebrochenen Bauten heraussaugt. Desgleichen bedient er sich gerne am Honig wilder Bienen.

Kampfverhalten
Lippenbären sind von Natur aus friedliche Gesellen, die aber einen sehr tiefen Schlaf haben. Werden sie hierbei, z. B. durch einen Menschen, überrascht, bleibt ihnen keine Zeit mehr zur Flucht, und sie können so zu furchtbaren Gegnern werden. Sie richten sich dann auf ihre Hinterbeine auf und verteilen mit ihren Pranken tiefe Wunden durch reißende Schläge. Liegt das Opfer am Boden, erledigen sie ein übriges mit ihren mächtigen Eckzähnen. Besonders zielen sie bei ihren Angriffen auf Kopf und Gesicht eines Gegners.

Fortpflanzung
Im Juni-Juli findet die Paarung der Lippenbären statt. In einer Erdhöhle bringt die Bärin nach 6 Monaten Tragzeit im Dezember bis Januar 1-2 Junge zur Welt. Sie wiegen bei der Geburt zwischen 400 und 530 g und öffnen ihre Gehörgänge um den 24.-30. Tag sowie die Augen nach dem 29.-35. Tag. Die erste feste Kost nehmen die Jungen nach 64 - 68 Tagen zu sich. Nach dem Verlassen der Höhle trägt die Mutter ihre Jungen häufig auf dem Rücken umher. Während eines längeren Ausfluges reiten die beiden Jungen meist abwechselnd auf der Mutter, während das andere nebenher trabt. Mit 2-3 Jahren werden die Jungen geschlechtsreif. So lange bleiben sie auch bei der Mutter und verlassen sie erst als erwachsene Tiere.

Gefährdung
Der Lippenbär gilt als bedroht.




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