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Menschenaffen

Pongidae

Herkunft: Afrika, Asien

Wenn man heute von Menschenaffen spricht, unterscheidet man zwischen den Kleinen Menschenaffen oder Gibbons (Familie Hylobatidae), die unter einem eigenen Stichwort abgehandelt werden, und den Großen Menschenaffen, zu denen der Schimpanse und der Zwergschimpanse oder Bonobo, der Gorilla und der Orang-Utan gehören.

Merkmale
Die Menschenaffen umfassen die größten und schwersten aller Primaten, die bis zu 350 kg schwer werden (erwachsener Gorilla). Sie bewohnen die tropischen Wälder und deren Lichtungen. Ihre häufigste Fortbewegungsart ist das Hangel-Klettern, es sind Brachiatoren, was sich auch in den langen und kräftigen Armen und kürzeren, schwächeren Beinen ausdrückt. Die Finger an Hand und Fuß sind meist lang, und der kürzere Daumen kann den Fingern sehr beweglich gegenübergestellt (opponiert) werden. Das ermöglicht ein sehr gutes Ergreifen von Dingen, Hantieren mit Gegenständen und ein »Begreifen« von Sachzusammenhängen, was zu den geistigen Fähigkeiten des Menschen überleitet.

Dazu befähigt auch das in bezug auf den Körper große Gehirn mit einem reichen Furchungsmuster, womit eine immer größere Anzahl von Hirnnervenzellen untergebracht und in Funktion gehalten wird. Mit einer größeren Zahl von nervlichen Schaltelementen aber kann man kompliziertere und differenziertere Leistungen vollbringen, etwa Herstellung und Gebrauch von Werkzeugen. Allerdings bestehen Ähnlichkeiten im Bau des Gehirns zwischen Menschenaffen und Menschen vor allem bei den älteren Stammhirnteilen, wo die Gefühle und einfacheren Sinnesfunktionen geschaltet werden. Die in der stammesgeschichtlichen Entwicklung später ausgestalteten, neueren Hirnteile des Großhirns sind dagegen bei den Menschenaffen nicht ganz so reich differenziert wie beim Menschen. Das betrifft vor allem das Stirn- und Schläfengebiet, in dem die höheren Assoziationsleistungen, Kreativität und besonders das Sprachvermögen lokalisiert sind. Das Hirnvolumen der Menschenaffen erreicht rund ein Drittel des Menschenhirns (rund 400 cm3 beim Orang, etwa 530 cm3 beim Gorilla und ungefähr 450 cm3 beim Schimpansen gegenüber rund 1500 cm3 beim Menschen). Man muß allerdings bedenken, daß das relative Hirnvolumen bzw. -gewicht (im Verhältnis zur Körpergröße) beim Schimpansen am größten ist.

Der Schädel zeigt eine recht flache Stirn mit meist kräftigen Überaugenwülsten. Die Nase ist meist platt und ragt kaum aus dem nackten, allenfalls mit feinen Haaren besetzten Gesicht hervor. Bärte an Oberlippe, Kinn und Wangen treten vor allem bei den Männchen auf. Das kräftige Gebiß ist in recht stark vorspringenden Kiefern untergebracht, und die Eckzähne erreichen bei alten Männern beachtliche Längen, so daß vor dem oberen und hinter dem unteren Eckzahn im gegenüberstehenden Kiefer Platz gelassen werden muß in Form einer Zahnlücke (Diastema).

Ernährung
Die Nahrung der Menschenaffen besteht aus gemischter pflanzlicher und tierischer Kost, wobei letztere eher als (notwendige) Beikost anzusehen ist. In dieser Hinsicht gleichen sie manchen anderen Affen wie etwa den Pavianen. Immerhin ist auch in neuerer Zeit von Schimpansen bekanntgeworden, daß sie in Gemeinschaftsjagd sogar Antilopen und junge Paviane erlegen und verspeisen, wobei vor allem das Gehirn einen Leckerbissen darstellt. Ansonsten verstehen es die Menschenaffen erstaunlich gut, sich dem Menschen anzupassen, indem sie die von ihm in Plantagen und Farmen angebauten Nutzpflanzen als willkommene und bequem zu erlangende Nahrung abernten.

Sozialleben
Im Freiland halten die Menschenaffen in großfamilienartigen Trupps enge soziale Beziehungen aufrecht, wozu ihnen das mit reicher Muskulatur versehene Gesicht ein nuancenreiches Mienenspiel ermöglicht. Das Lachen eines Schimpansen ist gewiß schon jedem Zoobesucher in seiner absolut menschlich wirkenden Ausprägung zum eindringlichen Erlebnis geworden.

Bei aller hoch entwickelten sozialen Kommunikation hat jedoch keine Menschenaffenart eine Sprache im menschlichen Sinne hervorgebracht. Das Menschenaffengehirn hat bei aller sonstigen Ähnlichkeit im grobanatomischen und feinhistologischen Bau das für die Sprache wichtige motorische Sprachzentrum, die Brocasche Region, im Schläfenlappen nicht ausgebildet. So muß sich der Mensch damit begnügen, sich mit seinen Vettern, den Menschenaffen, über das Mittel der Taubstummen bzw. Zeichensprache zu verständigen, ja sich sogar mit ihnen zu unterhalten. Schimpansen und Gorillas haben in jüngster Zeit wahrhaft überraschende Fähigkeiten in entsprechenden Versuchssituationen offenbart.

Fortpflanzung
Die Fortpflanzung der Menschenaffen gleicht in den meisten Einzelheiten der des Menschen. Wie dieser sind jene nicht an bestimmte Fortpflanzungszeiten gebunden, und die Männer sind immer, die Weibchen besonders in der Mitte ihres Eizyklus paarungs- und befruchtungsbereit. Die Spermatozoen (Samenzellen) des Schimpansen gleichen bis in Einzelheiten denen des Menschen. Auch die Tragzeit ist mit 8-9 Monaten der des Menschen angeglichen, und wie bei diesem wird das Menschenaffenjunge als hilfloses Wesen geboren, das trotz seiner Klammer- und anderen Reflexe der intensiven Hilfe der Mutter während der ersten zwei Jahre bedarf.

Gefährdung
Heute sind bis auf einige Gibbonarten leider alle Menschenaffen in ihrem Bestand durch das Vordringen des Menschen auf das höchste gefährdet, und die Versuche, sie in Gefangenschaft bzw. unter freilandähnlichen Bedingungen zur Fortpflanzung zu bringen, reichen nicht entfernt aus, ihren Bestand zu erhalten. So liegt es im ureigensten Interesse des Menschen selbst, seine nächsten Verwandten nicht weiter zu schädigen und auszurotten, denn die wichtigsten Erkenntnisse der Primatologie sind ja Ergebnisse von zwingender Bedeutung für das wahre Wesen des Menschen.




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