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Reh

Capreolus

Herkunft: Europa, Asien

Das Reh bildet in seinem ausgedehnten Verbreitungsgebiet zahlreiche Lokalformen, die in 3 Unterarten oder Rassen zusammengefaßt werden:

1. Europäisches Reh (Capreolus capreolus capreolus). Widerristhöhe 70 cm; Gewicht 25 kg.

2. Sibirisches Reh (C. c. pygargus). Widerristhöhe 90 cm; Gewicht 50 kg. Stark geperltes großes Geweih, mit erhöhter Endenzahl durch Gabelung der Sprossen.

3. Chinesisches Reh (C. c. bedfordi). Größer als das Europäische Reh; Geweihstangen dünn, geringe Auslage.

Körperbau
Rehe sind hinten leicht überbaut. Die Läufe sind hoch und schlank. Der sehr kurze Schwanz besteht aus 6 Wirbeln. Das Fell ist im Sommer rotbraun mit gelblichem, im Winter graubraun mit weißem Spiegel. Lokal treten schwarze, weiße und gescheckte Farbschläge auf.

Das stark geperlte Geweih, von Jägern fälschlich »Gehörn« (ein Gehörn haben allein die Hornträger, Familie Bovidae) genannt, bildet keine Augsprosse. Normalerweise erreicht es 6 Enden. Die oberen Eckzähne fehlen meistens.

Lebensraum
Rehe bevorzugen unterholzreiche Wälder, Waldränder, Feldgehölze, gehölzreiche Wiesen, Felder, Parks und Stadtwälder (Kulturfolger). Im Gebirge dringen sie bis an die Baumgrenze vor.

Lebensweise
Das Reh bildet kleine Rudel, sogenannte Sprünge, die meist aus einem Familienverband bestehen. Erwachsene Männchen sondern sich außerhalb der Brunstzeit ab. Im Winter vereinigen sich Rehe zu Rudeln von bis zu 50 Tieren.

Rehe sind vorwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung auf den Beinen; doch sind sie auch zu anderen Zeiten aktiv.

In Mitteleuropa sind Rehe einigermaßen ortstreu und wechseln ihren Aufenthalt nur in Abhängigkeit von Nahrungsangebot, Witterung und Beunruhigung. In Asien wandern Rehe zwischen Wald und offenem Gelände, entsprechend den durch kontinentales Klima bedingten krassen Temperaturgegensätzen der einzelnen Landschaften. Im Sommer steigen die Rehe ins Gebirge; im Winter weichen sie in die Wälder der Ebene aus.

Das Reh ist gewandt und ausdauernd auf den Läufen. Es springt, klettert und schwimmt gut. Wenn es gehetzt wird, macht es hohe Sprünge über Hindernisse hinweg oder auch nur »aus Sport«, wenn kein Hindernis im Wege liegt. Diese hohen »Fluchten« ermöglichen dem fliehenden Tier, den Verfolger im Auge zu behalten.

Ein erschreckter Rehbock gibt bellende Laute von sich, die wie »bö-bö-bö« klingen. Weibliche Rehe, die Ricken (im Süden des deutschen Sprachraums auch »Geißen«) genannt, haben eine fiepend klingende Stimme. Auch die Jungtiere fiepen. In großer Angst können Rehe durchdringend schreien.

Rehe hören und riechen sehr gut. Die Riechschleimhaut dehnt sich über verzweigte Nasenmuscheln aus, sie ist etwa 50mal größer als die des Menschen.

Das Reh hat viele Feinde, wie Wolf, Bär, Luchs, Wildkatze, Fuchs und Adler. In der Kulturlandschaft treten an deren Stelle Menschen und Hunde. Als Parasiten spielen Rachenbremsen, Dasselfliegen, Lungen- und Bandwürmer sowie Leberegel eine Rolle.

Fortpflanzung
Die Brunft (in der Jägersprache: Blattzeit) des mitteleuropäischen Rehs findet Ende Juli und im August statt. Die Böcke markieren ihr Revier durch Duftmarken und durch das Fegen von Büschen mit dem Geweih. Rivalen werden in heftigen Kämpfen aus dem Revier vertrieben. Die Ricke wird vom Bock gehetzt. Dabei entstehen »Hexenringe«, das sind kreis- oder 8förmige »Rennstrecken«, auf denen die Verfolgungsjagd vor sich geht. Die Initiative für die Verfolgung geht vom Weibchen aus. Sie lockt den Bock durch ihr Fiepen. Er verfolgt die Ricke in einer Weise, daß sie aus dem Hexenring nicht ohne weiteres ausbrechen kann. Wenn das Weibchen stehenbleibt, springt das Männchen auf. Die Verfolgung wird anschließend mehrmals fortgesetzt.

Die befruchtete Eizelle wandert in die Gebärmutter, ohne sich dort festzusetzen. Erst nach etwa 5 Monaten nistet sich der in seiner Entwicklung stehengebliebene Keimling in der Gebärmutterwand ein. Eine solche Keimlingsruhe, die zu einer Verlängerung der Tragzeit führt, kommt auch bei einigen Mardern und Bären vor. Ricken werden ausnahmsweise im November brünstig (Nachbrunst). Die Embryonalentwicklung erfolgt dann ohne Keimlingsruhe, und die Kitze werden normal, also im Mai oder Juni gesetzt. Gewöhnlich dauert die Trächtigkeit des Rehs 9-10 Monate. Meistens werden 2, ausnahmsweise bis zu 4 Kitze in einem Wurf gesetzt.

Rehkitze sind Ablieger. Die Ricke warnt ihre Jungen durch Aufstampfen mit den Vorderläufen und einen zirpenden Ruf vor einer Gefahr. Nach weniger als einer Woche folgt das Kitz seiner Mutter. Das Junge ruft nach der Mutter mit einem Fiepen.

Abgelegte Kitze sind nicht verlassen! Wer ein solches Tier anfaßt, kann dessen Geruch so beeinflussen, daß es die Mutter nicht mehr als ihr eigenes Junges behandelt. Das gleiche gilt für andere Hirscharten.

Jugendentwicklung
Kitzböckchen bilden im Alter von 4-5 Monaten ihr erstes Geweih, ein Paar »Knopfspieße«. Dieses Erstlingsgeweih hat noch keine Rosen. Im Alter von 9-10 Monaten werden im Februar/März die Knopfspieße abgeworfen. Das zweite Geweih wird im Herbst abgeworfen, ebenso alle folgenden. Die weiße Fleckung des Kitzes verschwindet beim ersten Haarwechsel im Herbst.

Bei einer Verletzung der Hoden durch Schrotschuß oder dergleichen während des Geweihwachstums kommt es zur Bildung eines Perückengeweihs. Das ist eine abnorme Wachstumsform, die sich in krankhaften Wucherungen äußert. Das Perückengeweih wird nicht gewechselt. Alte Ricken haben gelegentlich ein winziges Geweih.

Nahrung
Rehe sind sehr wählerisch und wechselhaft in ihren Ansprüchen. Laub- und Nadelholzsprosse, Kräuter, Gräser, Früchte und Eicheln gehören zur natürlichen Äsung. Dazu kommen im Kulturland Getreide, Raps, Klee und Gemüse. Taufeuchtes Gras meiden die Rehe. Sie gehen gerne an Salzlecken.

Bedeutung für den Menschen
In der Kulturlandschaft, wo sie oft schwach bejagt werden, haben sich die Rehe stark vermehrt. Die Geweihe erreichen bei großer Besiedlungsdichte aber nur ein geringes Gewicht.

Rehe sind ein beliebtes Jagdwild, das meist vom Hochsitz aus erlegt wird. Durch »Blatten« ahmt der Jäger in der Brunftzeit den Ruf der Ricke nach und lockt damit den Bock vor die Büchse. Die Jagd hat u. a. zum Ziel, durch den Abschuß kümmernder Stücke den Wildbestand gesund zu erhalten. Damit übernimmt der Jäger die Rolle des meist ausgerotteten, großen Raubwildes. In Gefangenschaft sind Rehe wegen ihrer hohen Futteransprüche heikle Pfleglinge. Mit der Flasche aufgezogene Böcke werden mit Erreichen der Geschlechtsreife stets gefährlich.




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