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Rothirsch

Cervus elaphus

Herkunft: Europa, Asien

Der Mitteleuropäische Rothirsch erreicht eine Widerristhöhe von 125 cm und ein Gewicht von 250 kg. Andere Unterarten werden beträchtlich größer (Wapiti: Widerristhöhe 160 cm; Gewicht 500 kg). Das Sommerfell ist leuchtend rotbraun. Der gelblichweiße Spiegel wird an der Hinterseite der Schenkel meist von einem schwarzen Rand eingefaßt. Im Winterfell erscheint der Edelhirsch graubraun. Die Voraugendrüsen sind gut entwickelt. An den Hinterläufen befindet sich unter einer Haarbürste die Mittelfußdrüse. Beiderseits der Schwanzwurzel gibt es ein weiteres Paar Duftdrüsen. Der kurze Schwanz ist manchmal etwas dunkler gefärbt als der Spiegel.

Geweih
Das Geweih des Mitteleuropäischen Rothirsches bedeutet einen Höhepunkt in der Entwicklung der Stirnwaffenträger. Die Geweihstangen haben einen runden Querschnitt. Bei einem kapitalen Geweih befindet sich dicht über der Rose die nach vorn gerichtete Augsprosse. Unmittelbar darüber entspringt die mehr seitwärts weisende Eissprosse. Weiter oben an der Stange befindet sich die Mittelsprosse. Die nächste Sprosse kann sich in der Querrichtung gabeln, ebenso die kurz darauf folgende Sprosse. Diese letzten beiden Sprossen bilden eine Krone von mindestens 3, durch weitere Vergabelung aber auch sehr viel mehr Enden. Wenn die Endsprossen einen Becher bilden, spricht man von einer Becherkrone. Die Kronenbildung ist kennzeichnend für den mitteleuropäischen Rothirsch. Im Pleistozän (Eiszeitalter) lebten in Europa Hirsche mit Wapitigeweih. Diese Hirsche breiteten sich über Asien nach Nordamerika aus. Im Postglazial (Nacheiszeit) wurden sie in Europa durch die fortschrittlicheren Kronenhirsche ersetzt.

Beim Zählen der Enden legt man die Geweihstange mit der Mehrzahl der Enden zugrunde. Ein »ungerader Zwölfender« hat daher an einer Stange 5 und an der anderen 6 Enden. Ein »Eissprossenzehner« hat bereits eine Eissprosse, bei einem Kronenzehner fehlt die Eissprosse, dafür hat sich eine dreiendige Krone an der Stange gebildet. Durch weitere Vergabelung am Kronenende oder (seltener) durch Gabelung der Mittel- und Augsprossen können höhere Endenzahlen entstehen. Ein Vierzehnender gilt als kapitaler Hirsch.

Jägersprache
Seit Jahrhunderten verwenden Jäger für das Wild Ausdrücke, die von der Umgangssprache abweichen. Die Ohren des Hirsches heißen »Lauscher«, das Maul ist der »Äser«, die Augen sind »Seher«, das Fell ist die »Decke«, der Schwanz ein »Wedel«, die Eingeweide sind das »Gescheide« und das Blut ist der »Schweiß«. Das Männchen wird schlicht »Hirsch« genannt, das Weibchen »Tier«, in der Schriftsprache auch Hirschkuh oder Hindin.

Lebensraum
Rothirsche bevorzugen Waldlandschaften mit Lichtungen und Wäldern, die an offenes Gelände grenzen. Im Hochgebirge lebt die Art im Sommer oberhalb der Baumgrenze. In Schottland findet sich der Rothirsch in Heide- und Moorlandschaften. Der Buchara-Hirsch lebt in den ausgedehnten Schilfbeständen des Amu-Darja. Der Jarkand-Hirsch hielt sich im Gebiet von Wüsten und Halbsteppen in Chinesisch-Turkestan auf. Heute scheint diese Rasse ausgerottet zu sein. Nordamerikanische Wapitis leben in Wäldern und drangen früher weit in die Prärien vor. Heute leben Wapitis vorwiegend im Gebirge. Im Winter kommen sie in die Täler und bilden dort riesige Herden. Auch die Hirsche der Alpen und anderer Hochgebirge führen jahreszeitliche Wanderungen aus.

Lebensweise
Edelhirsche bilden Rudel aus Jungtieren und erwachsenen Weibchen, die von einer Hirschkuh, dem »Kopftier«, angeführt werden. Erwachsene Männchen treten in kleineren Rudeln auf. Kapitale Hirsche leben oft als Einzelgänger. Im Winter können sich die Rudel zu größeren Herden vereinigen. Mit Rücksicht auf ihr empfindliches Bastgeweih können die Männchen zeitweilig nicht in so dichtem Gebüsch verweilen wie die Weibchen.

Rothirsche sind nachts aktiv, doch zeigen sie sich dort, wo sie nicht gestört werden, auch bei Tage. In unserer Kulturlandschaft ist der Rothirsch ein scheues Wild, das nur wenige Menschen in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Nachts wandern die Hirsche in ihrem Revier umher. Die Schalenabdrücke der Fährte geben darüber Aufschluß. Ein Trittsiegel ist 7,5-8,5 cm lang und 4,5-6,5 cm breit. Die Anwesenheit des Rotwildes erkennt man meist zuerst an der Fährte.

Edelhirsche sind gute Läufer, Springer und Schwimmer. An der norwegischen Küste durchschwimmen sie Fjorde und Meeresarme. Starke Hirsche sind weniger ausdauernd als Hirschkühe und Jungtiere. Im Sommer suchen die Hirsche gern in einem Wasser- oder Schlammloch Kühlung. Sie gabeln dabei mit dem Geweih Schlamm auf, den sie über den Rücken werfen. Das Suhlen dient unter anderem auch der Abwehr von Fliegen und anderen Plagegeistern.

Fortpflanzung
Die Brunft des Rotwildes dauert von September bis Anfang Oktober, beim Wapiti bis in den November hinein. Ein starker Hirsch sammelt 6-12 Weibchen um sich. Er vertreibt aus seinem Revier alle anderen Männchen. Dabei kommt es zu heftigen Brunftkämpfen, die gelegentlich zu starken Verletzungen führen. Während der Brunft »röhren« die Männchen; dabei stoßen sie einen weithin schallenden Ruf aus, der wie ein gedehntes »oah« klingt. Durch sein Röhren gibt ein Hirsch kund, daß er ein Brunftrevier besetzt hält. Ein »Platzhirsch« duldet nicht, daß eine Hirschkuh seines Brunftrudels entweicht. Er drängt sie sofort zurück, unter Zuhilfenahme des Geweihs.

Ein schreiender männlicher Hirsch hebt den Kopf. Dadurch kommen der aufgeblähte Hals und die Halsmähne zur Geltung. In manchen Jahren gibt es eine »stille Brunft«. Die Hirsche röhren dann seltener oder gar nicht. In der Paarungszeit läßt sich ein männlicher Hirsch kaum Zeit zum Fressen. Am Ende der Brunftperiode erscheint er abgekämpft und mager, doch holt er den Gewichtsverlust schnell wieder auf.

Die Tragzeit dauert im Mittel 237 Tage. Die Hirschkuh setzt im Mai oder Juni ein Kalb. Zwillinge werden selten geboren. Die Hirschkälber sind zwar schon nach wenigen Stunden in der Lage, der Mutter zu folgen, doch werden sie in den ersten 2 Lebenswochen noch abgelegt. Die Hirschkuh sucht ihr Kalb zum Säugen auf. Wenn das Kalb Hunger hat, öffnet es als Geruchssignal seine Voraugendrüsen. In dem Maße wie es gesättigt ist, schließen sich die Voraugendrüsen wieder. Das Kalb wird etwa 8 Monate lang gesäugt.

Jugendentwicklung
Das erste Geweih entsteht zwischen dem 7. und 14. Lebensmonat. Den bis 25 cm langen Erstlingsspießen fehlt die Rose. Im Alter von 2 Jahren wirft der Hirsch dieses Geweih ab. Im nächsten Geweih bildet die Augsprosse mit der Stange einen spitzen Winkel. Bei den folgenden Geweihen wird dieser Winkel immer flacher. Die Geweihe werden im Februar oder März abgeworfen. Daher heißt der Februar auch »Hornung«.

Mit 12-14 Jahren erreicht der Hirsch sein stärkstes Geweih mit einem Gewicht bis zu 15 kg. Später setzen die Hirsche zurück. Endenzahl und Stangenumfang nehmen ab. Das Höchstalter des Edelhirsches beträgt 18-20 Jahre.

Nahrung
Rothirsche äsen im Winter Knospen, Nadelholzzweige, Baumrinde (Schälschäden!), Heidekraut, Brombeerlaub; im Sommer Gräser, Laub und Kräuter. Eicheln, Kastanien und andere Früchte liefern die Mast im Herbst.

Rassengliederung
Der einzige Vertreter der Rothirsche, der Nordamerika besiedelt hat, ist der Wapiti. Er ist zugleich der größte und entwicklungsgeschichtlich jüngste der Rothirsche. Er ist gelbgrau gefärbt, Bauch, Beine und Nackenmähne sind dunkler. Der Wapiti hat einen großen, leuchtenden Spiegel und einen kurzen Schwanz.

Der europäische Rothirsch ist in Zentralasien und im Himalaya durch 5 Unterarten vertreten, die kleinwüchsiger sind und deren Geweihe eher einfach gebaut sind. Die meisten dieser Unterarten sind vom Aussterben bedroht.

1. Atlashirsch (Cervus e. barbarus). Kleiner, dunkelbraun mit einzelnen hellen Flecken. Keine Augsprossen.

2. Maral, Kaukasushirsch (Cervus e. maral). Größer als der typische Rothirsch, Fellfarbe mehr grau, Schulterregion und Unterseite fast schwarz. Schweres Geweih, einfache Krone.

3. Hangul, Kaschmirhirsch (Cervus e. hanglu). Geweih in einer Ebene, Augsprosse kürzer als Eissprosse, Spiegel klein, schwarz eingefaßt, schwarzer Schwanz.

4. Szetschuanhirsch (Cervus e. macneilli). Er soll noch in geringer Zahl in Sinkiang, Turkestan und Tibet überlebt haben.

5. Shou, Sikkinhirsch (Cervus e. wallichi). Geweih im oberen Teile nach vorn gebogen; Schwanzfarbe wie Spiegel.

6. Buchara-Hirsch (Cervus e. bactrianus). Eissprosse fehlt, einfache, lange Endgabel. Farbe gelblich, kurze Beine.

7. Jarkand-Hirsch (Cervus e. yarkandensis). Hell rotbraun mit großem Spiegel, der den Schwanz einbezieht. Endgabel weist nach vorn. Gilt bereits als ausgestorben.

8. Isubrahirsch (Cervus e. xanthopygus). Färbung ähnelt der des Rothirsches. Spiegel im Winter groß. Geweih kurz, einfach verzweigt.

9. Altai-Maral (Cervus e. sibiricus). Aug- und Eissprosse entspringen dicht beieinander. Lange Geweihstangen.




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