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Schakale

Canis

Herkunft: Afrika, Asien, Südosteuropa

Unter den Namen Schakale fallen drei mittelgroße, sehr nahe Verwandte unter den Hundeartigen, der Goldschakal (Canis aureus), der Schabrackenschakal (Canis mesomelas) und der Streifenschakal (Canis adustus). Ebenfalls in diese Gruppe kann man den Abessinischen Fuchs oder besser Abessinischen Schakal (Canis simensis) einordnen.

Goldschakal
Viele Menschen meinen in Wirklichkeit den Goldschakal, wenn sie von »Schakalen« schlechthin sprechen. Und tatsächlich verdient dieser Wildhund in verschiedener Hinsicht unser Interesse. Als Schakale fassen wir die entwicklungsmäßig primitivsten Arten innerhalb der Gattung Canis (= Hund) zusammen. Weil Schakale relativ leicht zu halten und weniger wild als Wölfe sind, sind ihre Biologie und ihr Verhalten bisher am eingehendsten untersucht worden.

Doch gerade die vergleichsweise Primitivität des Goldschakals gegenüber dem höher entwickelten Wolf ließ vermuten, daß die Schakale im Verhalten und Sozialleben gegenüber ihrem Vetter Besonderheiten und Vereinfachungen aufweisen.

In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, wie die Schakale ihr Sozialleben regulieren, denn auch diese Wildhunde treten in sozialen Gruppen, meistens Familienverbänden, auf.

Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Goldschakale reicht vom südöstlichen Europa (Alföld, Dalmatinische Küste, Griechenland, Türkei) über Kleinasien bis nach Indien, Assam, Burma, Malaya und Sri Lanka und in Afrika von nördlich und östlich der Sahara bis Kenia.

Lebensraum und Lebensweise
Als Lebensraum bevorzugen die Tiere die offene Grassteppe, seltener die Savanne, aber nur dann, wenn diese nicht zu dicht wird. Ganz allgemein meiden Goldschakale dichtes Gebüsch. Sie leben in kleinen Verbänden, deren Kern ein erwachsenes Paar bildet. Ein solches Paar bleibt in der Regel viele Jahre, wenn nicht ein Leben lang, zusammen. Zu ihm gesellen sich die Jungtiere des letzten Wurfes sowie häufig weitere Weibchen der vorherigen Würfe. Junge Männchen bleiben für ein Jahr bei der Gruppe und gehen dann eigene Wege.

Ein derartiger Familienverband bewohnt ein so großes Gebiet, daß der erwachsene Rüde innerhalb von 24 Stunden einmal seine Grenzen abschreiten und kontrollieren kann. Eine mittlere Reviergröße von 12-15 km2 dürfte in den meisten Fällen zutreffend sein. In diesem Wohngebiet bewohnt das Paar mehrere Bauten, die die Goldschakale teilweise selbst graben, teilweise von anderen Tierarten übernehmen; auch Auswaschungen unter großen Bäumen erfreuen sich hoher Beliebtheit. Innerhalb dieses Wohngebietes reagieren die Rüden aggressiv auf jeden Artgenossen, den sie erbarmungslos vertreiben. Benachbarte Familiengruppen meiden sich nach Möglichkeit.

Lediglich in Gebieten, wo größere Raubtiere fehlen, also Beutereste nicht zu erwarten sind, schließen sich mitunter mehrere Familiengruppen zusammen und erjagen dann auch größere Beute. Hierbei gehen sie ähnlich vor, wie es auch Wölfe und Afrikanische Wildhunde tun.

Ernährung
Die Palette des Nahrungserwerbes reicht vom Aasfresser bis zum Raubtier, das bis zu 87% seiner Beute selbst erlegt. Unter den größeren Beutetieren spielen die Thomson-Gazellen eine besondere Rolle. Ähneln sich Wolf und Schakal unter Umständen in der Art des Beuteerwerbes noch halbwegs, so unterscheiden sie sich doch grundlegend bei der Nahrungsaufnahme und -verteilung am Riß oder Kadaver. Eine der hervorstechendsten Eigenschaften des Goldschakals ist sein ausgeprägter Futterneid, der ihn lautstark seinen Anteil an der Beute gegen jeden Artgenossen verteidigen läßt.

Sozialverhalten
Doch so unsozial, wie es der erste Eindruck erscheinen läßt, sind die Schakale gar nicht. Auch sie haben, gleich dem Wolf, eine Reihe von Verhaltensweisen entwickelt, die ihnen ein geregeltes Mit- und Nebeneinander gewährleisten. Bei den Schakalen beziehen sich all diese Verhaltensweisen jedoch nur auf den Familienverband. Weiterhin entstehen die Spielregeln des gemeinsamen Lebens überwiegend aus Elementen des Aggressiv-(Imponier- und Kampf-)Verhaltens. Einzig in den Bereichen des Fortpflanzungs- und Spielverhaltens finden wir auch eine größere Anzahl nichtaggressiver Verhaltensweisen.

Innerhalb der Familiengruppe finden wir eine einzige Rangordnung (auch Wolf), der meist der Rüde voransteht, gefolgt vom Weibchen und den Jungtieren. Diese Rangordnung ergibt sich nahezu von selbst und muß nicht durch komplizierte Rangordnungskämpfe ausgefochten werden. Hin und wieder kann es sogar vorkommen, daß erwachsene Weibchen die Alpha-Position innehat. So richtet sich die gesamte Kampfenergie (das aggressive Potential) der Schakale - und hier besonders die des Rüden - nach außen.

Fortpflanzung
Die Fortpflanzungszeit fällt im Norden des Verbreitungsgebietes in die Monate Januar bis März. Bereits in der sogenannten Vorranzzeit (die Vorbereitungszeit auf die eigentliche Brunstperiode) ab Mitte Dezember ändert sich das Verhalten der Partner zueinander. Der Rüde bleibt jetzt ständig bei seinem Weibchen und interessiert sich auch für keine andere Schakalin. Er verteidigt sie gegen eventuelle Angriffe anderer Weibchen und beleckt und beschnüffelt häufig After und Genitalien. Während der Hochranz, die etwa eine Woche anhält, folgt er dem Weibchen ständig.

Schließlich kommt es zum »Hochzeitstanz« (Wolf) und kurz danach zur Kopulation. Nach der Begattung »hängen« die Partner noch 20-45 Minuten, ehe sie sich voneinander lösen können, bedingt durch eine starke Anschwellung des Penis.

Ist die Ranz vorbei, besetzt der Rüde innerhalb des Wohngebietes mindestens zwei Wohnhöhlen, die er von nun an unter ständiger Kontrolle hat. In einer dieser Höhlen bringt das Weibchen nach einer Tragzeit von 62-64 Tagen 3-8 Junge zur Welt, von denen sie in der Regel nur 3-4 aufzieht. Die Jungen werden blind und in einem weichen, grauen bis dunkelbraunen Jugendkleid geboren, das sie nach einem Monat gegen das einfarbige, goldgraue Alterskleid auswechseln. Die Welpen öffnen mit 10-15 Tagen die Augen und erhalten schon nach 2-3 Wochen zusätzlich zur Muttermilch auch Fleischnahrung, die ihnen die Mutter oder auch der Vater leicht vorverdaut ausbricht. Der Rüde beteiligt sich vom Tag der Geburt an an der Aufzucht der Jungen und an der Futterbeschaffung für das Weibchen.

Seine Aggressivität ist nun auf einem Höhepunkt, er greift jeden Eindringling hemmungslos an. Wird die Gefahr für das Weibchen und die Jungtiere zu groß, packt er die Welpen am Nackenfell und zieht mit ihnen in eine andere Höhle um. Solange die Jungen unselbständig sind, bewohnt er selbst niemals die gleiche Höhle mit dem Weibchen, sondern sucht sich einen Unterschlupf unmittelbar in der Nähe des Einganges zur Kinderstube. Sind die Jungtiere so weit, daß sie häufiger die Höhle verlassen, gehen Rüde und Fähe abwechselnd auf die Jagd und bringen das Futter für die Jungen und den Partner heran, indem sie es am Ort des Fanges in großen Portionen verschlingen und an der Höhle vor den Zurückgebliebenen hervorbrechen.

Die Welpen spielen in dieser Zeit noch sehr häufig zusammen und auch mit den Eltern, jedoch nimmt dieses soziale Spiel mit zunehmendem Alter ab und weicht mehr und mehr verschiedenen Einzel-(Solitär-)Spielen. Gemeinsame Interaktionen (Wechselbeziehungen, gemeinsame Unternehmungen) tragen nun immer häufiger den Stempel aggressiven Verhaltens, ohne daß sich die Tiere jedoch ernsthaft verletzen. Denn bevor sich innerhalb eines Familienverbandes zwei Schakale in den typischen Droh- und Kampfsequenzen (Folgen bestimmter aggressiver, imponierender oder kampfesbetonter Verhaltensweisen) gegenüberstehen, hat meistens einer von beiden die Gruppe verlassen. Ernste Kämpfe innerhalb der Familie sind also nicht allzu häufig zu beobachten.

Die für den Goldschakal typischen Auseinandersetzungen finden wir eher bei der Begegnung zweier ausgewachsener Rüden, deren Reviere aneinandergrenzen. Allenfalls zwischen dem erwachsenen Weibchen und einer ihrer älteren Töchter, die sich nicht aus dem Familienverband gelöst hat, können wir hin und wieder aggressive Auseinandersetzungen beobachten.

Schabrackenschakal
Der von Nubien bis zum Kapland verbreitete Schabrackenschakal (Canis mesomelas) besitzt über der rotbraunen Grundfärbung des Bauches eine schiefergraue Flanke und einen ebenso dunklen Rücken. Dies wirkt wie eine dem Tier aufgelegte Schabracke. Er besitzt unter den drei Schakalarten die größten Ohren und ist hochbeiniger als der Goldschakal.

Lebensweise
Der Schabrackenschakal ist ein Wildhund der offenen Landschaft. Hier ist er überall in seinem Verbreitungsgebiet anzutreffen. Er lebt in großen Wohngebieten, die er ständig durchstreift, einzeln, paarweise oder in kleineren Familienverbänden.

An reichlicheren Nahrungsquellen treffen sich häufig viele solcher Kleingruppen. Derartige Möglichkeiten bieten sich an einem Riß eines Löwen, den dieser gerade verlassen hat. In Windeseile schlingen die Schakale alles Freßbare herunter, was immer sie nur erreichen können, denn bald treffen auch Geier, Marabus und Hyänen ein, die ihrerseits an den Resten der Löwenmahlzeit teilhaben wollen und die Schakale vertreiben. In Gebieten, wo die Schakale nicht an Mahlzeiten größerer Raubtiere teilhaben können, jagen sie selbst allerlei Kleintiere wie Vögel, Nager und auch Insekten. Sogar Früchte verschmähen sie nicht. In Südafrika machen sich die Schabrackenschakale durch ihre Übergriffe auf neugeborene Karakullämmer nicht gerade beliebt und werden durch die Farmer unerbittlich verfolgt. Wie der Goldschakal ist auch der Schabrackenschakal ein sehr stimmfreudiger Wildhund, der eine Reihe von sozialen Stimmfühlungslauten sowie einige recht differenzierte Aggressivlaute beherrscht.

In seinem Verhalten, seiner Sozialstruktur und seiner Fortpflanzungsbiologie unterscheidet sich der Schabrackenschakal nicht wesentlich vom Goldschakal.

Streifenschakal
Der von Äthiopien bis zum nördlichen Südafrika verbreitete Streifenschakal (Canis adustus) unterscheidet sich vom Schabrackenschakal durch die längeren Beine, die etwas kleineren Ohren und durch die Fellzeichnung, die auf bräunlichgrauer Grundfärbung an den Flanken einen schrägen, hellen Streifen aufweist. Allerdings fällt dieser Streifen bei den einzelnen Individuen sehr unterschiedlich aus und kann sogar fehlen.

Lebensweise
Der Streifenschakal liebt mehr die Wald- und Buschgebiete und besiedelt damit diejenigen Lebensräume, die durch den Schabrackenschakal ausgespart werden. Im ganzen lebt der Streifenschakal viel scheuer und nächtlicher als die beiden anderen Arten, so daß wir von seiner Lebensweise viel weniger wissen. Auch ist er bedeutend weniger stimmfreudig. Er ernährt sich in der Hauptsache von Kleintieren, Aas und Insekten und in viel höherem Maße von pflanzlicher Kost, als dies seine Vettern tun. Da er niemals größere Tiere jagt, wird er auch dem Hausviehbestand nicht gefährlich. In seiner Fortpflanzungsbiologie unterscheidet er sich von allen anderen Schakalen durch die etwas längere Tragzeit von rund 70 Tagen und die in der Regel etwas geringeren Wurfgrößen von höchstens 7 Jungen.

Bestand
Abgesehen vom Abessinischen Schakal, der sehr selten und gefährdet ist, sind die drei Arten der »echten« Schakale trotz teilweise heftiger Verfolgung durch den Menschen in ihrem Bestand durchaus noch als gesichert anzusehen.




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