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Schimpanse

Pan troglodytes

Herkunft: Afrika

Der Schimpanse ist wohl der bekannteste Menschenaffe, und in jedem Zoo stiehlt das Schimpansengehege jedem anderen die Schau. Das scheint daran zu liegen, daß der Schimpanse besonders deutlich unsere »menschlichsten« Verhaltensweisen grotesk übertreibt und imitiert, so daß wir uns oft so herrlich bloßgestellt und ertappt fühlen. Er ist ja auch äußerlich der menschenähnlichste Affe.

Gestalt
Schimpansenfrauen werden durchschnittlich 40 kg, Männer 50 kg schwer, und aufgerichtet - wobei, anders als beim Menschen, die Knie nicht durchgedrückt werden - erreichen letztere 170 cm, erstere 130 cm Höhe. Je nach Herkunft aus dem weiten Verbreitungsgebiet in den Waldgebieten Mittelafrikas sind Haar- und Hautfärbung recht verschieden von hell fleischfarben bis fast schwarz oder gefleckt. Auch mit fortschreitendem Alter ändern sich manche Merkmale sehr: Die Behaarung des Kopfes wird geringer, ihre Farbe heller (»Ergrauen«), und der beim Kind weißliche Haarfleck oberhalb des Afters verschwindet. Er mag wohl als »Rücklicht« des Kindes gelten, an dem die Mutter es im dämmerigen Wald leichter im Auge behalten kann. Die verschiedenen Färbungsvarianten nördlich des Kongoflusses hat man je nach Auffassung zu drei bis vier Rassen zusammengefaßt. Die individuelle Variationsbreite ist aber schon innerhalb eines Schimpansentrupps so groß wie etwa beim Menschen, so daß auch hier jedes Individuum deutlich seine persönlichen Merkmale besitzt.

Schimpansen haben im Vergleich zum Orang-Utan längere Beine und kürzere Arme. Die Großzehe kann deutlich den übrigen Zehen gegenübergestellt werden. Die Manipulierfähigkeit von Hand und Fuß ist somit ausgezeichnet.

Sozialleben
Im Freiland leben Schimpansen in lockeren Gruppen, deren Zusammensetzung oft von Tag zu Tag wechselt. Die Trupps sind also längst nicht so festgefügt wie etwa beim Gorilla. Manchmal gruppieren sich die Tiere nach vorübergehenden Interessen, sei es zum Erlangen besonderer Leckerbissen, sei es aus sexuellen Absichten. Dennoch gibt es natürlich in diesen Gruppen für jedes Mitglied genügend Mittel und Gelegenheit, seine soziale Stellung kundzutun. Selbstverständlich spielt körperliche Kraft eine Hauptrolle für das Sozialgefüge. Kräftige Männer stellen ihre Fähigkeiten durch ein »Imponiergehabe« zur Schau: Sie richten sich hoch auf, stellen die abgewinkelten Ellenbogen nach vorn, sträuben die Haare, machen sich also »groß« und äußern Imponierlaute wie »Uh-uh«. Manchmal reißen sie kleine Bäume aus und schlagen damit auf imaginäre Feinde ein. Auch ein rhythmisches Tanzen in stampfendem Schritt ist ein Zeichen männlicher Überlegenheit, was oft durch Trommeln auf alle möglichen Gegenstände unterstützt wird.

Auch bei Wut und Angriffslust trommelt der kräftige Schimpansenmann (der unbeherrschte Mensch macht ja auch seiner Wut durch den Faustschlag auf den Tisch Luft). Vor solchen Äußerungen stieben die Schwächeren und Rangniederen in Sicherheit bzw. schauen zu.

Das gilt besonders für die Weibchen und Kinder, wenn die Männer den »Regentanz« aufführen. Bei starkem Regen und Tropengewitter stürmen die Männer hangabwärts, schwingen sich in »übermütiger« Manier einarmig um Baumstämme, stürmen hangaufwärts zurück und wiederholen das Spiel: ein unheimlich urtümlich anmutendes Elementarverhalten, das der naturnahe Mensch in seiner Frühzeit auch vollführt haben mag. Bei normalem Regen bleiben Schimpansen (und Gorillas) meist ungeschützt sitzen, kauern sich allenfalls etwas zusammen und machen einen etwas kläglich unfrohen Eindruck.

Fortpflanzung
Die Paarung wird ohne große Vorbereitungen und Einleitungen in 10 -15 Sekunden erledigt. Das ist um so erstaunlicher, als sich ja im ganzen Wirbeltierbereich immer wieder alle möglichen Verhaltensweisen und Körpermerkmale finden, die der ausgedehnten sexuellen Anreizung dienen. Man denke nur an die Prachtkleider der Vögel oder den Imponiermarsch der Eidechsen. Allerdings ist auch hier die Variationsbreite offenbar groß: Einige Schimpansenmänner schlagen das Weibchen regelmäßig vor der Vereinigung, andere sitzen nachher zärtlich mit ihm zusammen: Nichts Menschliches scheint dem Schimpansen fremd. Die Paarungsbereitschaft geht dabei vom Schimpansenweibchen aus, das etwa alle 35 Tage eine überaus deutlich sichtbare Anschwellung seiner Sexualhäute am Gesäß erlebt. Diese dann prall rosafarbenen, geschwulstartig wirkenden Geschlechtssignale werden durch entsprechende Körperhaltungen den Männern präsentiert, die dann meist einer nach dem anderen mit dem empfängnisbereiten Weibchen die Paarung vollziehen. Eine Einehe gibt es also hier nicht.

Alle erwachsenen Weiber und Männer aber kümmern sich in rührender Weise um die Kinder, die nach einer Schwangerschaft von etwa acht Monaten geboren werden. Zwillingsgeburten sind selten. Die Mütter nabeln das Kind ab, verzehren das Fruchtwasser und die Nachgeburt (was von manchen urtümlichen Menschenstämmen auch berichtet worden ist). Die Neugeborenen wiegen durchschnittlich 2000 g. Die Mutter stillt das Kind zwei bis drei Jahre lang, und während dieser Zeit erfolgen bei ihr keine neuen Eisprünge, so daß eine neue Schwangerschaft frühestens etwa alle drei Jahre eintreten kann.

Im Alter von etwa einem Jahr lösen sich die Kinder langsam immer mehr von der Mutter und erlernen von dieser und den Gruppenmitgliedern spielerisch die lebenswichtigen Dinge. Bis zum Pubertätsbeginn mit etwa neun Jahren bleiben sie jedoch im Bannkreis der Mutter und erlangen dann eine ihren Fähigkeiten entsprechende Stellung in der jeweiligen Gruppe.

Nestbau
Das jeweilige Schlafnest wird in wenig präziser Weise aus Zweigen zusammengebogen und befindet sich meist in sehr verschiedener Höhe auf Bäumen. Auch zur Mittagsrast zieht man meist einige Zweige zu einem »Lotterbett« zusammen und überdacht es oft mit einigen weiteren Ästen gegen zu starke Sonneneinstrahlung (Gorillas sonnen sich dagegen manchmal stundenlang auf dem Rücken liegend).

Feinde
Die Feinde der Schimpansen im Freiland sind Leoparden, große Giftschlangen, vor allem aber wohl Parasiten wie Faden- und Bandwürmer und Infektionskrankheiten, sogar die Poliomyelitis. Im Freiland dürften Schimpansen höchstens 40 Jahre alt werden, in Tiergärten hat man mehr als 46 Jahre registriert.

Intelligenz
Die sprichwörtliche Intelligenz des Schimpansen hat sich immer wieder in Tiergarten und Zirkus, im psychologischen Labor und in jüngerer Zeit auch im Freiland erwiesen. Einige der wichtigeren Befunde sind folgende:

Der deutsche Psychologe Wolfgang Köhler hatte schon seit 1912 auf der Affenstation Teneriffa Gelegenheit, Schimpansen in Intelligenztests zu prüfen. Seine Versuche über Werkzeuggebrauch, Werkzeugherstellung und einsichtige Handlungen bei Menschenaffen sind klassische Beispiele sauberer und von allzu menschlicher Interpretation freier Primatenforschung. Bambusstöcke, die jeder für sich zu kurz waren, um damit eine außerhalb der Reichweite liegende, begehrte Banane zu erlangen, steckten die Schimpansen ineinander, verlängerten sie so und erreichten die Frucht. Sie türmten Kisten aufeinander, um auf sie zu steigen und die an der Zimmerdecke hängende Banane zu erlangen. Allerdings ließ die Stabilität des Kistenturmes oft zu wünschen übrig. Die Kisten waren in echter »Schimpansenstatik« manchmal recht schief aufeinandergestapelt; bevor sie aber zusammenkrachten, hatte der Erbauer die Frucht meist gerade noch ergreifen können. Auch mit Hilfe einer Stange, die der Schimpanse frei unter die Banane stellte, um in Windeseile an ihr emporzuklettern, während sie schon zu fallen begann, erreichten die klugen Versuchstiere ihr Ziel. Auch das Herrichten einer Holzstange zu einem »Vierkant«, mit dem man das Türschloß öffnen konnte, beherrschten die Schimpansen, indem sie das Stangenende viereckig zurechtbissen.

Auch der russische Physiologe I. P. Pawlow studierte auf diese und ähnliche Weise die geistigen Fähigkeiten der Schimpansen, und bis in die jüngste Zeit hat sich die Reihe überraschender Befunde zur Schimpansenintelligenz vor allem in den USA verlängert. Sie reicht inzwischen bis zur Beherrschung von Gesten in der Art der Taubstummensprache, in der Schimpansen sich auch miteinander unterhalten, in der sie sogar neue Wörter bilden und sachgerecht gebrauchen. Schimpansen verstehen und benutzen komplizierte »Währungssysteme« von Farbmünzen, die ihnen bestimmte Vergnügungen oder Leckerbissen in bestimmter Wertstaffelung bescheren. Sie müssen bei all diesen Tests die jeweilige Aufgabe nicht durch Versuch und Irrtum lernen, müssen sie also nicht selbst aktiv ausführen, sondern können durch »Überlegen« und »Spiel der Motive« im theoretischen Durchdenken der verschiedenen Lösungswege die beste Verhaltensweise ausknobeln.

Auch zu »Kunstmalern« haben sich einige Schimpansen in der Obhut des Menschen entwickelt, indem sie mit Aquarell- und Ölfarben abstrakt wirkende Gemälde hervorbrachten. Lange Zeit war deswegen ein besonders malfreudiger Schimpanse des Londoner Zoos ein beliebter Fernsehstar.

Verhalten
Von diesen Fähigkeiten machen diese Menschenaffen offensichtlich auch im Freiland Gebrauch, indem sie z. B. bei Durst aus Moos oder zerkauten Blättern einen Schwamm formen, mit dem sie zum Trinken aus flachen Rinnsalen Wasser auftupfen. Beliebte Termiten und Insektenmaden in Baumstämmen »angeln« sie mit Hilfe eines Stocherspießes, den die Schimpansen abbrechen, zuspitzen und in die Fraßgänge der Insekten stecken, um die anhaftende köstliche Beute dann abzulutschen. Daß Schimpansen im Freiland ihre Diät nicht selten durch Frischfleisch von kleineren Huftieren wie Antilopen, Dikdiks u. ä., ja sogar durch andere Affen wie Paviane und Guerezas, aufbessern, ist besonders bemerkenswert. Hier sei in diesem Zusammenhang gesagt, daß trotz der bei alten Männern beachtlichen Eckzähne solche Fleischnahrung weniger zerrissen und gekaut, sondern eher ausgesaugt wird.

Zu den Überraschungen solcher Freilandstudien zählten auch die »menschliche« Begrüßungsart der Schimpansen, die sich nach längerer Abwesenheit mit Handberührung, Umarmung oder gar Wangen- und Lippenkuß begegnen. Neben diesen Studien von Frau van Lawick-Goodall, die im dichten Urwald am Ostufer des Tanganjikasees betrieben wurden, haben die Freilanduntersuchungen der holländischen Gruppe um den Zoologen Kordtlandt in der Savannenlandschaft von Tansania und Guinea Aufsehen erregt, weil sie u. a. eine Reihe andersartiger Befunde erbrachten. So warfen z. B. die Urwaldschimpansen nie gezielt mit Steinen oder harten Früchten nach ihrem Gegner und benutzten auch nie Stöcke als Schlagwerkzeuge. Anders aber verhielten sich die Savannenschimpansen gegenüber einer Leopardennachbildung, die man in ihr Revier gestellt hatte: mit gut 2 m langen Stöcken schlugen diese Schimpansen in »taktisch kluger« Teamarbeit auf den Leoparden ein, daß ihm bei Aufschlaggeschwindigkeiten von 90 Stundenkilometern gewiß das Rückgrat gebrochen worden wäre. Steine und Stöcke wurden gezielt als Wurfgegenstände benutzt, wobei sogar die Art des Werfens - von unten nach oben in der Art, wie kleine Menschenmädchen das tun - aufschlußreich für die menschliche Vorgeschichte ist. Auch gingen die Savannenschimpansen öfter aufrecht auf zwei Beinen als ihre Urwaldkollegen.

Aus diesen und weiteren Erkenntnissen gewinnt man den Eindruck, daß Schimpansen sich außerordentlich wenig an die jeweilige Umgebung anpassen können, weil sie weniger starr an instinktiv verankerte Verhaltensweisen gebunden sind, sondern enorm viel lernen können.




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