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Schnabeligel

Tachyglossidae

Herkunft: Australien

Der Name Schnabeligel rührt daher, daß der Körper dieser Tiere größtenteils mit Stacheln bedeckt ist und die lange, röhrenförmige Schnauze wie ein Schnabel aussieht. Sie sind in ihrer Heimat Australien weit verbreitet und noch nicht gefährdet.

Körperbau
Der Körper ist plump und gedrungen. Vom Schwanz ist nur ein kleiner Stummel zu erkennen. Die verhältnismäßig kurzen Beine stehen seitlich weit auseinander. Die Füße sind mit 3-5 Krallen bewehrt. Die zweite ist besonders lang und wird als Putzkralle verwendet, um Fell und Stachelkleid zu säubern. Das Gehör ist gut; die Ohrmuscheln sind aber klein oder fehlen ganz; in diesem Fall ist nur ein schmaler Ohrspalt sichtbar. Der Schnabel der Schnabel- oder Ameisenigel ist mit einer kräftigen Hornscheide umkleidet. Die Mundöffnung ist eng und läßt nur gerade so viel Platz, daß die lange, wurmförmige Zunge weit herausgestreckt und mit der daran haftenden Beute wieder eingezogen werden kann. Große Drüsen im Mundraum versorgen sie immer reichlich mit klebrigem Speichel, der ein wichtiges Hilfsmittel beim Aufnehmen der Nahrung ist. Schnabeligel haben niemals echte Zähne. Dafür ist die Zunge an ihrem Grund mit einer Vielzahl verhornter Höcker besetzt. Sie arbeiten gegen hornige Gaumenleisten und zerquetschen so die Nahrung.

Zur Fortpflanzungszeit bilden die weiblichen Tiere in der Bauchmitte eine Bruttasche aus, die nicht mit dem Beutel der Beuteltiere verwechselt werden darf. Sie hat muskulöse Wände und entsteht auf bisher noch nicht geklärte Weise durch Einsenkung der Bauchdecke. Wenn die Bauchmuskulatur z. B. in Narkose erschlafft, verschwindet sie wieder. In dieser Tasche, die auch als Inkubatorium bezeichnet wird, münden 2 Milchdrüsenfelder, deren Absonderungen von einigen Haarbüscheln weitergleitet werden.

Lebensweise
Schnabeligel bewohnen Wald- und Parklandschaften ebenso wie Buschsteppengebiete, haben aber eine besondere Vorliebe für steiniges und felsiges Gelände. In Niederungen sind sie genauso anzutreffen wie in Hochlagen bis 2500 m. Diese plumpen, kurzbeinigen Tiere entwickeln in unwegsamem Gelände eine Geschicklichkeit, die man ihnen nicht zutrauen würde. Mit ihren langen, sehr kräftigen Krallen finden sie in Unebenheiten des Untergrundes stets guten Halt. Auch die kurzen, stämmigen Beine erweisen sich hier als Vorteil. Will man die Tiere in Freiheit beobachten, muß man einige Geduld aufbringen und bereit sein, auf eine Nachtruhe zu verzichten. Sie verlassen nämlich erst in der Abenddämmerung ihren Unterschlupf, in dem sie den Tag verschlafen haben. Tagsüber sind sie selten und nur in ruhigen, ungestörten Gegenden zu sehen. In gemäßigten Breiten und größeren Höhen halten Schnabeligel einen Winterschlaf, wenn die Temperaturen zu weit absinken und ihre Nahrungstiere knapp werden. Dabei wird der Stoffwechsel durch Hormone herabgesetzt.

Bei Gefahr graben sie sich mit allen vier Füßen gleichzeitig sehr schnell ein, so daß es aussieht, als versänken sie im Boden. Dort verkeilen sie sich mit ihren mächtigen Klauen und den seitlichen Stacheln so fest, daß es ohne Werkzeug unmöglich ist, sie aus dieser Grube zu entfernen. Aus dem Boden ragen nur noch die Rückenstacheln heraus und machen den Schnabeligel für jeden Feind unangreifbar. Ist der Untergrund zu hart zum Eingraben, dann rollen sie sich wie unsere heimischen Igel zusammen und bilden eine Stachelkugel, an der sich der Angreifer eine blutige Nase und zerstochene Pfoten holt. Aus diesem Grund haben diese Tiere nur wenige wirkliche Feinde. Die australischen Einheimischen fangen und essen sie aber gelegentlich.

Schnabeligel haben keine Stimme. Manchmal lassen sie ein ärgerliches Prusten oder Schnaufen hören. Einzeln durchstreifen sie das Gelände und stecken ihre spitze Nase in jede erreichbare Spalte oder Vertiefung, um Futter zu suchen.

Ernährung
Ameisenigel fressen vor allem Ameisen und Termiten, aber auch kleine Schnecken, Würmer und andere Kleintiere, die an der wurmförmigen Zunge haften bleiben und durch die enge Mundöffnung hindurchpassen. Hat der ausgezeichnete Geruchssinn ein Nahrungstier entdeckt, so schießt die klebrige Zunge weit heraus und verschwindet mit ihrer Beute genauso schnell wieder im röhrenförmigen Hornschnabel. Im allgemeinen graben Schnabeligel nicht nach Nahrung, sondern fangen nur das, was sie auf dem Boden finden oder nach dem Umwälzen von Steinen, Ästen oder Rindenstücken mit der Zunge erreichen können. In der Gegend von Canberra konnte man aber ganz besondere Freßgewohnheiten beobachten. Hier brechen sie in den Monaten August, September und Oktober mit ihren scharfen Krallen bestimmte Ameisenhügel auf. Denn zu dieser Zeit stehen die Königinnen kurz vor dem Hochzeitsflug und enthalten bis zu 47% Fett in ihrem Körper. Wahrscheinlich sind diese nahrhaften Insekten für die Ameisenigel besonders wichtig, wenn sie aus dem Winterschlaf aufwachen. Bei ihrer Futtersuche wälzen die Stachelträger Steine um und entwickeln dabei erstaunliche Kraft. Sogar Brocken vom Doppelten ihres Eigengewichtes behindern sie nicht.

Ameisenigel können ein recht hohes Alter erreichen. Von einem Tier, das lange Zeit im Zoologischen Garten von Philadelphia/USA lebte, ist sicher nachgewiesen, daß es älter als 50 Jahre wurde. Wie alt es aber bei seinem Tod wirklich war, weiß man nicht.

Fortpflanzung
Schnabeligel sind Einzelgänger. Männchen und Weibchen finden sich nur zur Paarungszeit Ende Juni und im Juli zusammen. Die Paarungsstellung bei diesen Stachelträgern ist Bauch gegen Bauch. Nach einer Eibildungszeit von etwa einem Monat wird das eine Ei - selten sind es 2 oder 3 - abgelegt. Wie das Ei in die Bauchtasche gelangt, ist unbekannt; man nimmt aber an, daß es durch starke Einkrümmung des Körpers direkt aus der Kloake ins Inkubatorium hineingleitet. Das dotterreiche Ei ist 14-17 mm lang und 13-15 mm breit. 7-10 Tage nach der Eiablage öffnet ein winziger noch nackter und blinder Schnabeligel die pergamentartige Schale. Dabei hilft ihm sein Eizahn, ein scharfer Hornzahn auf der Schnabelspitze, der bald nach dem Schlüpfen verlorengeht. Das larvenhafte Tierchen hat gerade eine Körperlänge von etwa 12 mm. Nach 6-8 Wochen Beutelzeit mißt es dank der sehr nahrhaften Muttermilch fast 10 cm. Allmählich wachsen die Körperhaare, aber gleichzeitig auch die Stacheln. Deshalb muß das Junge in seinem Unterschlupf zurückbleiben, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. Etwa mit 10 Wochen öffnet der kleine Schnabeligel die Augen. Im Alter von einem Jahr ist er geschlechtsreif. Das Gewicht liegt dann zwischen, 2,5 und 6 kg; ausgewachsene Männchen sind beträchtlich schwerer als weibliche Tiere.

Systematik
Zur Familie der Schnabeligel gehören 2 Gattungen mit jeweils einer heute lebenden Art.

Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus)
Sie sind 35-53 cm lang mit 9 cm langem Schwanz, wiegen 2,5-6 kg, sind sehr kurzbeinig und haben einen kurzen, geraden Schnabel. Ihnen fehlen stets die Ohrmuscheln. Alle 5 Zehen tragen kräftige Krallen. Oberseits sind sie gelbbraun bis braun gefärbt, es kommen aber auch gelblichweiße und dunkelbraune Formen vor. Die Unterseite ist meist heller.

Das Weibchen, das kleiner ist als das Männchen, legt gewöhnlich 1 Ei (selten 2-3), das 14-17 mm lang ist. Es wird 7-8 Tage im Beutel ausgebrütet. Das Junge ist beim Schlüpfen rund 12 mm lang. Es verläßt nach 6-8 Wochen den Beutel und ist dann 9-10 cm lang. Die Tiere werden mit einem Jahr geschlechtsreif und haben eine Lebenserwartung von über 50 Jahren. Man zählt heute 5 Unterarten des Kurzschnabeligels. Die in Tasmanien heimische Unterart (Tachyglossus aculeatus setosus) ist an ihrem langen Fell zu erkennen, in dem die Stacheln verdeckt sind.

Langschnabeligel (Zaglossus bruijni)
Sie sind deutlich größer als ihre Verwandten. Der Schnabel ist lang und gebogen. Bei ihnen sind kleine Ohrmuscheln erkennbar. Die Stacheln sind kurz und in dem dicken Fell verborgen. Die Art kommt nur in Neuguinea vor.

Langschnabeligel sind nachtaktiv. Sie ernähren sich hauptsächlich oder sogar ausschließlich von Regenwürmern. Über ihr Verhalten, etwa die Fortpflanzung, ist fast nichts bekannt.




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