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Wildschwein

Sus scrofa

Herkunft: Europa, Asien, Nordafrika

Das Wildschwein kommt in einer Reihe von Unterarten vor: 1. Mitteleuropäisches Wildschwein (Sus scrofa scrofa); in England und Skandinavien ausgerottet, in Irland fehlend, auf Korsika vorkommend. - 2. Sardisches Wildschwein (Sus s. meridionalis); kleine Unterart, die neben einer größeren Rasse die Insel bewohnt. - 3. Südosteuropäisch-kaukasisches Wildschwein (Sus. s. attila); Widerristhöhe bis 110 cm, Gewicht bis 350 kg; eine der größten Rassen. - 4. Kamm-Wildschwein (Sus s. cristatus); Vorder- und Hinterindien; klein, dünn behaart, auffallender Rückenkamm. - 5. Bindenschwein (Sus s. vittatus); Sunda-Inseln. Weiße Binde von der Schnauze zur Wange. - 6. Japanisches Wildschwein (Sus s. leucomystax); klein, weiße Kehlbehaarung. - 7. Chinesisches Wildschwein (Sus s. moupinensis); Nordchina; klein, schwärzlich oder rötlich. - 8. Mandschurisches Wildschwein (Sus s. ussuricus); sehr große Rasse. - 9. Berberschwein (Sus s. barbarus); Algerien, Marokko. - 10. Sennar-Schwein (Sus s. sennaarensis); Sudan.

Die Bindenschweine Südostasiens sind in zahlreichen lokalen Formen auf Inseln vertreten, wo sie vielfach mit Hausschweinen gekreuzt wurden. Zu diesen unsicheren Unterarten gehört das Papuaschwein Neuguineas. Auch das Sennar-Schwein aus dem Sudan ist von unsicherer Herkunft. Es stellt ein isoliertes Vorkommen dar. Das Sardische Wildschwein ähnelt anatomisch den Bindenschweinen. Eine tatsächliche Verwandtschaft ist damit nicht bewiesen.

Gestalt
Das Wildschwein hat in Mitteleuropa durchschnittlich eine Widerristhöhe von 95 cm bei einem Gewicht von 200 kg. Es ist kräftig gebaut, mit seitlich zusammengedrücktem Rumpf, mittelhohen Läufen und einem dunklen Borstenfell. Die Borsten sind starke Grannen, die an der Spitze gespalten sein können. Auf der Rückenmitte sind die Borsten zu einem Kamm verlängert. Unterwolle kommt bei den Tieren aus kühleren Gebieten in jahreszeitlich wechselnder Dichte vor. Die Färbung des »Schwarzwildes« ist schwarz mit mehr oder minder graugelbem Anflug. Der Schädel ist langgestreckt keilförmig. Beim erwachsenen Keiler fallen die langen Eckzähne, Haderer (oben) und Gewehre (unten) auf, die sich gegenseitig zu scharfkantigen Waffen abschleifen.

Frischlinge tragen bis zum Alter von 6 Monaten eine Streifenzeichnung oder Livrée. Auf dunkelbraunem Grund verlaufen etwa 8 hellgelbliche Längsstreifen, die sich teilweise in Flecke auflösen. Wildschweine werden in Sumpflandschaften verhältnismäßig groß, während sie in trockenen Gegenden kleiner bleiben. Die kleinsten Formen stammen von Inseln.

Lebensraum
Wildschweine sind sehr anpassungsfähig. Sie bevorzugen Lebensräume, die ihnen Wasser und viel Deckung bieten. Wälder, Brüche, Sümpfe, Schilfgürtel, Hochgebirge bis 4000 m und tropische Küsten werden von den verschiedenen Unterarten besiedelt. In den Tropen dringen Wildschweine in die Dörfer vor. Zuckerrohr- und Reisfelder können ihr ständiger Aufenthaltsort sein. In Mitteleuropa halten sie sich zur Nahrungssuche in Feldkulturen auf.

Lebensweise
Rotten der Wildschweine umfassen 5-10 Tiere, sie können aber auch wesentlich umfangreicher sein. In einer Rotte sind erwachsene Sauen (Bachen), Jungtiere aus dem Vorjahr (Überläufer) und Frischlinge vereinigt. Geschlechtsreife Eber bilden eigene Rotten, während ältere Keiler Einzelgänger sind.

Tagsüber suchen Wildschweine ein Lager auf, das aus einer flachen Grube besteht, die mit Moos, Laub usw. ausgepolstert wird. In diesem Kessel ruhen die Angehörigen einer Rotte dicht gedrängt. Keiler suchen ihr Lager einzeln auf. In tropischen Ländern kann das Lager wie ein überdachtes Nest aussehen. Bindenschweine schaffen durch ihre Tätigkeit tunnelartige Wechsel aus Pflanzensubstanz, die mit lebender Vegetation fast undurchdringlich verfilzt ist.

Wildschweine haben den Drang, sich in Schlammlöchern zu suhlen. In einem Schwarzwildrevier sind meist mehrere Suhlen zu finden. In der Nähe der Schlammlöcher befinden sich an Stämmen oder Felsen Scheuerstellen, sogenannte Malbäume, an denen die Schweine ihre schlammverkrustete Schwarte reiben.

Wildschweine sind vorwiegend in der Nacht unterwegs. Um ihren Bedürfnissen nach Nahrung, Suhlen und Geselligkeit nachzukommen, können sie weite Wege zurücklegen. Im übrigen halten sie an ihren einmal bezogenen Wohngebieten fest.

Die Bewegungen der Wildschweine sind lebhaft. Sie können einigermaßen schnell laufen (»Schweinsgalopp«) und dringen dabei durch dichtesten Pflanzenwuchs. Die Trittsiegel weisen außer den Schalenabdrücken auch die Eindrücke der Afterklauen auf. Die Trittfläche ist verhältnismäßig breit, die Schrittweise kurz. Wildschweine können gut schwimmen. Wenn eine Rotte schwimmt, geschieht das oft in einer Kette, wobei die Tiere dicht hintereinander schwimmen und dabei den Kopf auf das Hinterende des Voranschwimmenden zu legen suchen.

Geruch und Gehör sind die beim Wildschwein besonders gut entwickelten Sinne. Bei der Nahrungssuche finden sie durch ihr gutes Geruchsvermögen Genießbares auch unter der Erdoberfläche (z. B. Kartoffeln, Trüffeln).

Schwarzwild weiß sich seiner Haut zu wehren. Keiler setzen ihre scharfen Eckzähne ein, indem sie seitlich geführte Schläge austeilen. Bachen schlagen mit den Läufen und beißen den Gegner. Ein angreifender Keiler stürmt geradewegs auf den Feind zu. Wenn er ihn verfehlt, kehrt er nicht um. Bachen hingegen erneuern ihren Angriff.

Nach der Ausrottung des Wolfes hat das Schwarzwild in Mitteleuropa außer dem Menschen kaum Feinde. Durch entsprechenden Abschuß muß seine Vermehrung in Grenzen gehalten werden. In Asien sind Tiger, Rothund, Leopard und Irbis weitere Feinde der Wildschweine. Aber auch Sumpf- und Leistenkrokodil sowie der Netzpython erbeuten Schweine.

Von den zahlreichen Krankheiten sind Schweinepest, Milzbrand und Rotlauf besonders gefährlich. An Parasiten sind oft Trichinen und Bandwürmer vertreten.

Fortpflanzung
Die Paarungszeit der Wildschweine wird in der Jägersprache »Rauschzeit« genannt. Sie fällt in die Monate November bis Januar. Rauschige Eber kämpfen miteinander, indem sie sich ihre Waffen, die Eckzähne, seitwärts gegen Kopf und Flanken schlagen. Sie versuchen außerdem, sich gegenseitig zu unterlaufen und den Gegner auszuheben. Der Schild an den Rumpfseiten der Wildschweine ist ein Schutz gegen die heftigen Schläge.

Wenn ein Keiler die Überläufer einer Rotte vertrieben und die Rivalen abgeschlagen hat, sammelt er bis zu 8 Bachen um sich. Der Keiler treibt eine Bache in einer Verfolgungsjagd mit Schnauzenstößen durch sein Revier. Zwischendurch setzt er Urin ab. Begleitet wird dieses Paarungsvorspiel von rhythmisch ausgestoßenen Grunzlauten. Während der eigentlichen Begattung beißt der Keiler die Bache in den Hals.

Die Tragzeit beträgt 115-140 Tage. Junge Bachen tragen kürzer als ältere. Die Jungen werden im März oder April gesetzt (Jägersprache: gefrischt). Zum Werfen baut die Bache vorher einen Wurfkessel, den sie mit Pflanzenmaterial reichlich auspolstert. Dieser Kessel kann sogar überdacht sein. Besonders die Bindenschweine bauen umfangreiche, gut abgedeckte Wurfnester. Die 4-12 Frischlinge eines Wurfes bleiben die ersten Tage im Nest und wärmen sich gegenseitig, indem sie dicht neben- oder gar übereinander kriechen. Beim Trinken an der liegenden Bache stellt sich bald eine Saugordnung ein, in der die Frischlinge nach ihrer Rangfolge die ergiebigen Zitzen besetzen.

Frischlinge
Weibchen, die Frischlinge mit sich führen, sind in hohem Maße abwehrbereit. Mit anderen Sauen schließen sie sich zu größeren Rotten zusammen. Wenn eine Bache umkommt, werden ihre Frischlinge von den anderen Weibchen adoptiert. Frischlinge folgen ihrer Mutter, wenn sie knapp 1 Woche alt sind. Untereinander führen sie ständig Kampfspiele aus, bei denen ihre Schnelligkeit und Wendigkeit zur Geltung kommen. Mit 18 Monaten sind Wildschweine geschlechtsreif. Sie erreichen ein Alter von mehr als 20 Jahren.

Nahrung
Wildschweine sind Allesfresser. Auf der Suche nach Nahrung durchwühlen sie den Boden. Rüssel und Eckzähne sind dafür die geeigneten Werkzeuge. Wurzeln, Trüffeln, Engerlinge, Mäusenester und vieles andere mehr erlangen sie auf diese Weise. Sie fressen aber auch Aas und zeigen eine besondere Vorliebe für vorverdautes Gras aus dem Pansen von Wiederkäuern. Eicheln, Kastanien und Nüsse liefern die Mast im Herbst. Im Frühjahr weidet das Schwarzwild den sich entrollenden Adlerfarn ab. Weidenröschen, Giersch, Bärenklau und verschiedene Süßgräser werden auch gefressen. An den Küsten tropischer Inseln halten sich Bindenschweine an das angeschwemmte Treibgut, wobei tierische Kadaver eine Rolle spielen. Krebse, Muscheln und Fische sind hier ihre Nahrung.

Durch ihre Wühltätigkeit richten Wildschweine große Schäden an den Feldkulturen an. Zuckerrohr-, Reis-, sonstige Getreidefelder, Bananenplantagen sowie Bataten- und Kartoffelfelder werden von ihnen heimgesucht.




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